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Mit dem schönen Buch „Arm aber sexy - Die Geschichte Berlins seit 1990“ zeichnet Autor Stefan Wolle die Entwicklung der letzten gut 35 Jahre in Berlin nach. Was ist vielleicht im Chaos des Mauerfalls alles nicht so gut gelaufen? Mit der beginnenden Wende ab 1989 ging es doch überraschend schnell. Die Mauer fiel und aus zwei Staaten wurde einer. Zwei völlig unterschiedliche Gesellschaftssysteme mussten plötzlich gemeinsam funktionieren. Keiner hatte Erfahrungen mit so einer Situation. Man machte Fehler und es gab Gewinner und Verlierer. Alles begann mit mit einer Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor, das völlig aus dem Ufer lief. Gewalt, Sachbeschädigungen und viele Verletzte waren der Anfang. Sieht so die neue Freiheit aus? Die Stasi-Zentrale wurde schon ziemlich früh geplündert und verwüstet. DDR-Denkmäler baute man ab und auch der Palast der Republik wurde geschliffen. Dabei waren die DDR-Bürger in West-Berlin nicht bei allen beleibt. Es gab Schlangen vor den West-Supermärkten oder beim Begrüßungsgeld. Schnell stieg die Arbeitslosigkeit im Osten an. Später wurde die Mauer zerhackt, die Leere des ehemaligen Mauerstreifens mit Leben gefüllt. West-Politiker setzten sich gekonnt medial in Szene, während ihre Ost-Kollegen das Nachsehen hatten. Es tat sich viel in Berlin. Die Loveparade zog durch die Stadt, man wurde zur Drogenhauptstadt Deutschlands, zum wirtschaftlichen Armenhaus der Republik und zur Bundeshauptstadt. Im Rathaus saß ein sich zur Homosexualität bekennender Bürgermeister und der Flughafen Berlin-Brandenburg wurde zum sehr teuren Politikum. Demokratische Wahlen waren die reinsten Wundertüten oder wussten wiederholt werden. Bis heute sind der ÖPNV oder Haushalt der Stadt immer wieder ein Thema. Berlin hat bis heute keine Ausstrahlung, wie andere europäische Hauptstädte. Kluge Stimmen ahnten 1990 bereits, dass die Zusammenführung von Ost und West sicher 40 Jahre dauern wird, so lange, wie die DDR Bestand hatte. Stefan Wolle ist ein guter Kenner der Stadt. Er beschreibt sehr lesenswert, wie die letzten Jahrzehnte die Stadt Berlin entwickelt haben. Ja, Berlin ist keine Schönheit und immer wieder von Chaos geprägt, aber dieses Buch ist keine Anklage, eher eine Aufzählung von Fakten und Vorgängen, mit denen man keine Erfahrungen hatte. Ost und West, das waren zwei völlig andere Planeten. In Berlin prallten besonders stark aufeinander. „Arm aber sexy - Die Geschichte Berlins seit 1990“, Stefan Wolle, BeBra Verlag, 224 Seiten, 21 Abbildungen, gebunden,, 14 x 22,2 cm, ISBN 978-3-8148-0337-1 Datum: 20. April 2026 www.bebraverlag.de |
Cover, Foto: BeBra Verlag![]() |