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Die sehr schöne Publikation „Mehr als Industriefotografie - Aufnahmen der Fotografen des „Bochumer Vereins für Gussstahlfabrikation“, 1927-1945“ aus dem Aschendorff Verlag beschreibt mit etwa 400 Motiven die Arbeit der Werksfotografie eines der ehemals wichtigsten Metallbetriebe im Ruhrgebiet. Aktuell kennt man rund 52.000 Aufnahmen, die sich nun im Historischen Archiv Krupp befinden. Prof. Dr. Ralf Stremmel ist Leiter des Historischen Archivs Krupp bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in Essen sowie apl. Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Die Montanindustrie ist folglich sein Fachgebiet. Über viele Jahre wurden die hinterlassenen Fotos gesichtet und historisch ausgewertet. Es waren eigene und externe Fotografen, die sehr fleißig das Werk im Sinne der damaligen Zeit bildlich erfassten. Sie handelten stets im Auftrag von Vorgesetzten, in der Regel nie frei. Gewisse Inhalte sollten transportiert werden, ob politisch oder unternehmerisch gewollt. Die Sehgewohnheiten der Zeit spiegeln sie grundsätzlich wieder. Dabei spielen die Bereiche technischer Fortschritt, Architektur, sozialen Leben, politische Erziehung, Sport und Bewegung, medizinischer Arbeitsschutz sowie oft anonyme Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Es gab häufig Besuch aus höchsten Kreisen der Politik, nicht nur von Adolf Hitler. Der Bochumer Verein zählte zu den 20 wichtigsten Firmen Deutschlands. Selbstverständlich wurden hier auch Waffen produziert. Die Fotos verkörpern eine gewisse Ästhetik. Der Held der Arbeit ist immer ein Portrait wert. Dabei spielte die Produktion eine wichtigere Rolle als ein Labor, eine Zeichenwerkstatt oder die Verwaltung. Soziale Einrichtungen waren nicht nur für guten Zusammenhalt entscheidend, sondern auch effizient, um möglichen Aufständen und Revolten vorzubeugen. Zu sehen sind tatsächlich Zwangarbeiter, ihre Baracken und Arbeitsplätze. Man vertuschte ihre Anwesenheit nicht, zeigte aber auch nicht ihre wahren Lebensbedingungen. Architektur und Ästhetik hängen eng zusammen. Das Riesenhafte der Produkte oder im Maschinenpark zeigte man gerne her. Bei Gebäuden oder Kaminen wählte man gerne den Blick von unten. In Sachen Architektur legte man wert auf eine klare Sachlichkeit. Teilweise entdeckt man schicke Bauhaus-Stühle in der Verwaltung. Wenn man bedenkt, dass die ausgewählten 400 Fotos nur etwa 0,8% des Konvoluts betragen, ahnt man, wie aktiv und zielgerichtet damals Werksfotografie betrieben wurde. Es sind spannende Eindrücke, Kinder ihrer Zeit, wie einer der größten Konzerne Deutschlands für sich selbst und die politischen Verhältnisse fotografische Propaganda betrieben hat. Im Buch findet man die biografischen Daten und Lebensläufe der jeweiligen Werksfotografen, die ansonsten kaum Beachtung finden. „Mehr als Industriefotografie - Aufnahmen der Fotografen des „Bochumer Vereins für Gussstahlfabrikation“, 1927-1945“, Ralf Stremmel, Aschendorff Verlag, 304 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, ISBN 978-3-402-25115-7 Datum: 28. Dezember 2025 www.aschendorff-buchverlag.dee |
Cover, Foto: Aschendorff Verlag![]() |