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Buch 'St. Victor, Baugeschichte und Stiftsbauten' aus dem Imhof Verlag
Der Xantener Dom krönt neues Großinventar. Im Imhof-Verlag Petersberg ist die Publikation „St. Victor, Baugeschichte und Stiftsbauten“ erscheinen.

Meist wird der Xantener Dom als kleiner Bruder des Kölner Doms bezeichnet. Schon von weitem zeichnet sich dem Niederrheinbesucher dessen markante Doppelturmfront am Himmel ab. Wie konnte ein so gewaltiges Bauwerk in der niederrheinische Provinzstadt entstehen? Der Legende nach sollen Teile einer christlichen Armeeeinheit der Römer nahe Xanten im vierten Jahrhundert ein Martyrium erlitten haben. Darunter war auch der heilige Viktor mit seinen Gefährten. Über deren Gräber wurde später eine Kirche errichtet. Ausgrabungen unter dem heutigen Gotteshaus belegen die Bestattungen. Ab 1263 wurde der der Grundstein zum jetzigen gewaltigen Kirchenbau gelegt. In Etappen errichtet, konnte er 1544 vollendet werden. Das Bauwerk diente nun als Stiftskirche, also Sitz einer weltlich orientierten geistlichen Gemeinschaft, bis sie Napoleon 1802 aufhob. Seitdem dient der Bau den Katholiken von Xanten als Pfarrkirche.

Bislang gab es keine aktuelle Darstellung der Baugeschichte. Dem Desiderat ist nun abgeholfen. Kurz vor Weihnachten erschien in der Inventar-Reihe der Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen ein speziell der Architektur und Geschichte des St. Victor-Domes gewidmetes Buch, dass keine Wünsche offen lässt. Auch der Kreuzgang und die angrenzenden Stiftsbauten sind mit einbezogen. Auf 482 Seiten wird in ansprechender Form, modernem Layout und instruktiven Fotos der aktuelle Forschungsstand griffig und leicht verständlich dargelegt. Was beim ersten Durchblättern sofort ins Auge sticht, sind Fotografien nach den Zerstörungen im letzten Krieg. Sieht man sich die weitgehend dachlose, in Schutt und Trümmern zerbröselte Kirchenruine an, dann muss man sich wundern, dass das Gebäude nicht gänzlich aufgegeben wurde. Dank vieler durch Auslagerung geretteter Teile sowie dem Einsatz maßgeblicher Wissenschaftler verdankt das Gotteshaus seine Restaurierung. Wie aus dem Ei gepählt zeigen sich heute die hellbraunen Natursteinfassaden aus Tuff und Trachyt. Dunkle Zonen den historischen Zustand erkennen lassen. Das Innere konnte wieder 1966 voll genutzt werden. Erst im Jahre 1969 wurde der im Krieg um ein Geschoss dezimierte Nordwestturm wieder vervollständigt.

Der Besucher ist überrascht von der Größe, Helle und Weite des fünfschiffigen Kirchenschiffs, welches sich trotz langer Bauzeit einheitlich im gotischen Spitzbogenstil zeigt. Hinzu kommt eine heute bei mittelalterlichen Kirchenbauten nur noch selten vorhandene, vollständig erhaltene Ausstattung. Prägnantester Bestandteil ist der Lettner, eine zwischen Chor und Langhaus eingefügte Empore, welche die Zone der Kleriker vom Bereich der Laien trennt. Als überaus gelungen bewerten Fachleute die Anbindung des gotischen Schiffs an den älteren romanischen Westbau mit den zwei Türmen.
Viele Pläne, Zeichnungen, historische Aufnahmen und Dokumente bereichern das umfangreiche neue Druckwerk, ergänzt von erhellenden, gut lesbaren und nicht ausufernden Textbeiträgen. Auch die Übersichtlichkeit der Gliederung nach Bauteilen unterstützt das gut als Nachschlagewerk zu gebrauchende, ein umfassendes Bild vermittelnde Buch. Dazu werden Einblicke in ansonsten nicht zugängliche Bereiche gewährt, etwa der Sakristei, dem Kapitelsaal oder den Türmen. Nicht nur dem fachkundigen Leser wird auf diese Weise die höchst individuelle Umsetzung einer Großkirchenarchitektur fundiert verdeutlicht. Darüber hinaus lassen sich im Detail viele Anlehnungen an zeitgleich entstandene Kirchenbauten entdecken. Die mittelalterlichen Bauleute zogen von Baustelle zu Baustelle und nahmen Ideen mit. So finden sich in Xanten Adaptionen von Finessen, welche an niederländischen Kathedralen, dem Kölner Dom oder der Trierer Liebfrauenkirche festzustellen sind. All dies analysiert das in vielen Jahren entstandene Buch in probater Weise und greift so weit über Xanten hinaus.

„St. Victor, Baugeschichte und Stiftsbauten“, Band 2 in der Reihe „Stadt Xanten“ in der der Folge: „Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen I. Rheinland“, Rainer Schiffler, Godehard Hoffmann, Landschaftsverband Rheinland, Imhof-Verlag Petersberg, 480 Seiten, 338 Farb- u. 108 SW-Abbildungen, 21 × 25,5 cm, Hardcocer, ISBN 978-3-7319-1529-4

Text: Hans-Peter Schwanke

Datum: 27. Dezember 2025

www.imhof-verlag.de

Cover, Foto: Imhof-Verlag

Buch 'St. Victor, Baugeschichte und Stiftsbauten' aus dem Imhof Verlag