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Talk '#halbzwölf' mit Peter Großmann, Olaf Thon und Matthias Reuter auf Zollverein
Mit der Juni-Ausgabe von „#halbzwölf“, dem Sonntalk mit Peter Großmann auf dem Welterbe Zollverein in Essen, geht die stets sehr unterhaltsame Reihe in die Sommerpause. Zu Gast waren Fußball-Weltmeister Olaf Thon, Musikkabarettist Matthias Reuter sowie die Band Easy aus Köln.

Peter Großmann hat mal wieder seine vielen Kontakte spielen lassen. Seine Gäste sind in der Regel von der Sorte, dass sie viel zu erzählen haben. Auf schöne Anekdoten muss man nicht lange warten. Musikalisch war es dieses Mal „Easy“, reife Jungs aus Köln mit Songs von echten Rockbands, die ganz smoothig daher kommen, ein wirklich interessanter Sound mit bekannten Tönen ansonsten harter Jungs. „One“ von U2, Tainted love“ (Soft Cell) oder „I was made for lovin' you“ (Kiss) standen u. a. auf der Liste.

Als erster Gast erzählte Fußball-Weltmeister Olaf Thon aus seinem Sportlerleben. Er hat sportlich die Welt gesehen, als Pott-Kind sogar sechs Jahre in München gekickt. Es sind allerdings „nur“ 52 Länderspiele geworden, der vielen Verletzungen wegen. Sein Vater war schon ein erfolgreicher Amateur-Fußballer. Mit einem einfachen Wimpel konnte man den jungen Bayern-Fan für den S04 ködern. Mit 18 Jahren, am 2. Mai 1984, spielte er das Spiel seines Lebens, 6:6 gegen die Bayern, dabei kickte er seit seinem 9. Lebensjahr mit einem stark lädierten rechten Zeh, mag eher weite Schuhe. So wurde er beidfüßig. Es wurde sogar live im Saal gekickt. Wie schießt man mit der Pike und wie mit dem Innenrist? Ein Gast, der nie jemals ernsthaft Fußball gespielt hat, wurde als Torwart engagiert. Der zweite Schuss wäre zumindest nicht im Tor gelandet, immerhin. Ein lukrativer Vertrag auf Schalke wurde ihn aber leider nicht angeboten. Die erste Reihe musste sich beim Saaltraining übrigens nicht fürchten. „Keine Angst, ich bin Weltmeister“, so seine beruhigende und zugleich leicht selbstironische Ankündigung.

Heute spielt Olaf Thon für die Schalker Traditionsmannschaft und kümmert sich zugleich ums Marketing. Bei der EM ist er als Experte im Morgenmagazin, neben Peter Großmann, aktiv. Als Ex-Profi hat er viel erlebt. Mit Lothar Matthäus oder Yves Eigenrauch lag er gemeinsam auf einem Zimmer. Der eine war ein echter Lebemann, der ohne Frauen nicht konnte, der andere ein Intellektueller, der sogar im Hotel sein Bett selbst machte oder an einer roten Fußgängerampel stehen blieb, wenn die Mannschaft das gar nicht störte. Grundsätzlich ist er nicht gegen Alkohol, eben so wie früher. Otto Rehhagel ließ in Bremen die Trinker gegen die Nicht-Trinker spielen. Die Trinker gewannen. Also alles mal etwas lockerer sehen.

Die EM spielte natürlich eine Rolle. Sind die Deutschen nach dem hoch ausgefallenen Auftaktsieg nun für zehn Jahre unschlagbar? Peter Großmann stellte dir Frage provokant in den Raum. Thon sieht die Mannschaft am Beginn einer potentiell positiven Entwicklung, mit Luft nach oben. Besonders bei Maximilian Mittelstädt hat er einige grundlegende Mängel entdeckt und hofft, dass Manuel Neuer als möglicher Schwachpunkt keine schwerwiegenden Fehler folgen lässt. Im Sturm ist ihm Füllkrug lieber als Havertz. Wie formt man eine ideale Mannschaft wie bei der WM 1990 oder bei den Schalker Eurofightern? Es bedarf eines starken Kopfes, egal ob Präsident, Manager, Trainer oder Spieler! 1990 war es Franz Beckenbauer, auf Schalke Rudi Assauer. Dazu braucht es möglichst viele verschiedene Charaktere von Spielern. Auf dem Feld sollte jeder nach seinen Stärken eingesetzt werden, der bullige Stürmer, der junge Wilde, der feine Techniker in der Abwehr oder der stille Regisseur im Mittelfeld. Den Weg des DFB-Teams hält Thon für vielversprechend, aber noch lange nicht am Ende. Das braucht noch Jahre. Den EM-Titel sollte man seiner Meinung nach 2024 noch nicht erwarten.

Als zweiter Talkgast war der Musikkabarettist Matthias Reuter aus Oberhausen auf der Bühne. Als studierter Literaturwissenschaftler fährt man nachher Taxi oder wird Kabarettist. Ihn führte es auf die Bühne. Nicht viel schnacken, es gab direkt einige Kostproben seines Könnens. Er thematisierte die vielen Oktoberfeste im Ruhrgebiet, während man beim Fußball die Bayern gerne aus den Arenen schreit. Die Digitalisierung war ein andere Thema. Besonders die ältere Generation ist häufig überfordert, nicht nur beim Online-Banking.

Es war mal wieder eine sehr angenehme Atmosphäre mit vielen anwesenden Pott-Kindern, auf und vor der Bühne. Einen sehr bemerkenswerten Rat, den man sich merken sollte, gab es von Olaf Thon. Man soll sich einfach mal nicht so wichtig nehmen, einen Schritt zurück gehen, um die Gemeinschaft zu stärken. Das sollte nicht so schwierig sein.

Am 1. September startet die nächste Folge, u. a. mit dem Zauberweltmeister Marc Weide.

Datum: 16. Juni 2024

www.zollverein.de



Talk '#halbzwölf' mit Peter Großmann, Olaf Thon und Matthias Reuter auf Zollverein, Foto: Jehle

Talk '#halbzwölf' mit Peter Großmann, Olaf Thon und Matthias Reuter auf Zollverein

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