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      Mit "Bernarda Albas Haus" von Federico García Lorca zeigt das Theater
      Oberhausen ein Psychodrama, szenisch mit Luft nach oben.

      Eigentlich verspricht das Thema spannende Szenen. Der Vater ist gestorben
      und Barnada verordnet ihren vier Töchtern acht Jahre Trauer im Elternhaus.
      Das reißt sie komplett aus dem Leben. Zumindest die Älteste darf am Fenster
      mit ihren kommenden Verlobten Pepe el Romano (Burak Hoffmann) Blick-
      kontakt halten. Das aber schürt den Neid der drei jüngeren Töchter. Die
      Schicksalsgemeinschaft beginnt sich von innen drin selbst aufzulösen.

      Man nehme die bewährten Zutaten moderner Theaterinszenierungen, ein
      teilweise geschlossenes Bühnenbild mit Live-Videos nach außen, schrill-
      bunte Kostüme, ein schräges Make-up, einen nackten Schauspieler, eine
      Drehbühne, einen fetten Soundtrack, starke Bilder sowie spektakuläres
      Licht, fertig ist die Erfolgsinszenierung. So ungefähr hatte sich der junge
      Regisseur Jan Friedrich (*1992 in Lutherstadt Eisleben) das alles wahrschein-
      lich gedacht, doch so einfach ist es nicht. Die Kollage aus Erfolgsbausteinen
      anderer Inszenierungen ging von Beginn an ziemlich nach hinten los. Man
      kann auch deutlich übersteuern, was aktuelle Trends auf der Bühne betrifft.

      Den Akteuren auf der Bühne ist nichts anzulasten. Sie mussten ein vorgege-
      benes Konzept umsetzten. Das ist ihr Job, den sie gut gemacht haben. Die
      Inszenierung allerdings irritierte das Publikum doch sehr. Es passte wenig
      zusammen, wirkte überdreht, wie eine schlechte Kopie anderer sehr guter
      Inszenierungen. "Das Internat" von Ersan Mondtag grüßt als gelungenes
      Original am Schauspiel Dortmund.

      Zahlreiche Videoeinspielungen auf die Außenwand der Drehbühne wirken
      ziemlich dominant. Die sichtbaren schauspielerischen Parts kommen da
      etwas zu kurz. Songtexte vieler unbekannter Songs werden in markierter
      Karaoke-Art groß in die Videosequenzen eingeblendet. Ok, man soll die
      Texte besser nachvollziehen. Zusammenhänge zum Stück lassen sich
      allerdings aber manchmal schwer erkennen. Per Projektion reden die Akteure
      aber auch verdeckt stumm im Inneren des Bühnenbilds. Ihr Text wird wie in
      einem Stummfilm auf die Live-Bilder projiziert. Die Idee ist gar nicht so
      schlecht. Als Stilmittel wird die Stimme von Bernarda Alba (Mervan Ükmez)
      aber permanent dunkel verzerrt, leider nicht nur temporär. Es führt zu einer
      akustisch schwierigen Verständlichkeit der Sätze. Der Rest erscheint ziemlich
      statisch inszeniert. Die Akteure wirken manchmal wie steife Puppen.

      Das Ergebnis dieser Inszenierung ist den noch jungen Jahren Jan Friedrichs
      geschuldet. Jeder muss Erfahrung sammeln und ein Gefühl für gelungene
      Szenen entwickeln. Es ist noch kein Starregisseur vom Himmel gefallen. Das
      Prädikat "Sehenswert" bleibt hier allerdings in der Schublade.

      Datum: 12. Oktober 2018

      www.theater-oberhausen.de