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      Eine interessante Sonderausstellung zeigen der Paderborner Kreis und das
      Deutsche Fußballmuseum in Dortmund. "Der andere Fußball: 100 Jahre
      Arbeiterfußball - 125 Jahre Arbeitersport" lautet der Titel. Zu sehen ist eine
      historische Aufarbeitung des Arbeiterfußballs unter dem Dach des Arbeiter
      Turn- und Sportbund (ATSB).

      Die organisierte Arbeiterbewegung sportlicher Art gab es seit 1893. Zunächst
      turnte man sehr gerne. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Arbeiterfußball
      populär. Er wurde der Antagonist des DFB, auch als Rotsport bezeichnet.
      Man spielte ohne Entlohnung und pflegte Werte wie Fairness, Frieden
      schaffen, Anstand, die Förderung der Gesundheit, die Befreiung der Arbeiter-
      klasse, Solidarität, Integrationsförderung sowie antifaschistische Ansichten.
      Heldenverehrung war nicht erwünscht. Die Namen der Spieler waren wenig
      bekannt. Man wählte die bewusste Abgrenzung zu bürgerlichen Vereinen, zu
      denen auch Schalke 04 oder der BVB gehörten. Im Pritschenwagen fuhr man
      zum Platz und musste sein Fahrtgeld selbst bezahlen. Damals war Gesell-
      schaft politisch schwierig, ähnlich wie heute.

      Von der bürgerlichen Presse wurde man bekämpft. So berichteten eigene
      Presseorgane über das Geschehen. Man spielte gerne mit einem 1-2-3-5-
      System, für heute eher ungewöhnlich offensiv. Ebenso ungewöhnlich war die
      Tatsache, dass man Arm in Arm auf den Platz kam oder Elfmeter absichtlich
      verschoss. Man bevorzugte das körperlose Spiel.

      Ein prominenter Vertreter des Arbeiterfußballs war Erwin Seeler, SC Lorbeer
      06 Hamburg. Mit seinem Klub gewann er 1929 und 1931 die ATSB-Bundes-
      meisterschaft. Ganz nebenbei war er der Vater von Uwe Seeler. Es gab
      Olympiaden mit Tausenden von Teilnehmern in Wien und Frankfurt. Der
      ATSB wurde vom DFB lange nicht richtig beachtet. Erste Spiele gegen
      ehemalige Feinde wie England und die Sowjetunion fanden lange vor offizi-
      ellen DFB-Begegnungen statt. Man erfand den Fußball-Dreikampf, also
      100m-Lauf, Balleinwurf sowie Balltreiben mit Torschuss.

      Heute ist die Recherche zu dem Thema schwierig. Der Arbeiterfußball wurde
      durch die Nationalsozialisten 1933 verboten und alle Immobilien und Sport-
      plätze enteignet, Werte von rund 25 Millionen Reichsmark. Vereinsunterlagen
      und Fotos hat man verbrannt, die Europameisterschaft (1932-1934) abge-
      brochen. Viele Spieler wechselten nach dem Verbot 1933 zu DFB-Vereinen.
      Von rund 1.000 ATSB-Vereinen sind heute noch 700 im DFB, auch durchaus
      regional bekannte Klubs aus dem Ruhrgebiet.

      Im Januar 2019 zieht die Wanderausstellung weiter.

      www.fussballmuseum.de
      www.arbeiterfussball.de