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      Auf der hochklassigen und gut organisierten "architecture world" 2017 im
      Landschaftspark Dusburg-Nord trafen sich nationale und internationale
      Architekten zum Erfahrungsaustausch. Zahlreiche Anbieter wirklich innovativer
      Produkte präsentierten ihre spannenden Technologien.

      Holz gilt als innovativer Baustoff. Besonders FSK-zertifizierte Tropenhölzer sind
      gefragt. Sie kombinieren Nachhaltigkeit und Artenschutz. Dabei wird jeder zu
      verwertende Baum bei Rundgängen erfasst und per GPS bestimmt. Bei Bedarf
      kann man das nachwachsende Holz dann schlagen. Hinzu kommt, dass kaum
      Stämme exportiert werden. Im Land selber werden wird das Holz weiterverar-
      beitet und schafft so Arbeitsplätze. Steigender Wohlstand sorgt dafür, dass sie
      in ihrer Heimat bleiben können. Präsentiert werden natürlich auch besondere
      Tropenhölzer wie das Ayous aus Zentralafrika. Die für den Export angepflanzten
      Bäume bieten ein ganz leichtes, schnell wachsendes und nicht arbeitendes
      Holz u. a. für Fassaden. Bei den heimischen Holzarten ist Eiche als Parkett mit
      90% Marktanteil sehr beliebt, wegen der enthaltenen Gerbsäure. Holz wird
      ebenfalls immer beleibter für Aufbauten auf bestehenden Bauwerken. Hoch-
      häuser aus Holz mit bis zu sieben Stockwerken sind heute kein Problem mehr.

      Elemente aus 3D-Druckern finden immer stärkere Beachtung. Auch Lochbleche
      oder Keramikelemente entwickeln sich sehr innovativ. Die begehbare Dusche
      wird immer wartungsfreundlicher. Grüne Wände aus Moos sind nicht nur ein
      Hingucker. Sie beziehen ihre Feuchtigkeit pflegefreundlich aus der Luft.
      Interessant sind akustische Wandabsorber aus nicht brennbarer Steinwolle. Es
      gibt sie in 60 Farben und unterschiedlichen Formen und Dicken. Der Effekt ist
      erstaunlich, sobald die Absorbtionsfläche rund 30% der Grundfläche des Raums
      beträgt. Der Einsatz bietet sich bei Räumen mit viel Glas, Stahl oder Fliesen an
      und ist in Skandinavien schon weit verbreitet. Lampen aus Borosilikat mit
      italienischem Design waren ein echter Hingucker. Ihre Herstellung erfordert
      mehrere Jahre Berufserfahrung. Räume optisch zu erfassen ist heute übrigens
      relativ einfach. Ein rotierender 3D-Imaging Scanner erfasst mit einem
      360°-Rundumbild und einer 3D-Punktwolke in drei Minuten jeden Raum.

      Sehr interessante Fachvorträge zu diversen Themen standen auf dem
      Programm. Der Höhepunkt war sicher der Auftritt von Hamburgs Star-Architekt
      Volkwin Marg von gmp Architekten, der bald 81 Lebensjahre zählen kann. Man
      hätte ihm auch drei Stunden gebannt zuhören können. Thema war die häufige
      Beziehung von Politik und Architektur. Er entwarf ganz heimlich den quasi
      Masterplan für die HafenCity in Hamburg, übrigens während seines Lehrstuhls
      in Aachen. Dort fiel das als Studie deklarierte Projekt nicht so auf. Nur der
      Hamburger Bürgermeister und später auch vier Senatoren waren eingeweiht.
      Nicht mal der oberste Stadtplaner wusste etwas davon. Die Verwunderung war
      groß, als das Projekt in Hamburg fix und fertig in seinem Gesamtumfang
      (150 ha) präsentiert wurde, ohne jegliche vorherige Ausschreibung. Statt der
      Elbphilharmonie war zuerst übrigens ein China Center auf dem Kaiserspeicher
      geplant. Der Besitzer des benachbarten Bürogebäudes fürchtete um seine
      Mieter und nahm Kontakt zu Pierre de Meuron auf, ein Kulturgebäude zu
      entwerfen. Die Idee der Elbphilharmonie wurde öffentlich begeistert aufge-
      nommen und später auch von der Politik abgesegnet.

      gmp Architekten entwarfen viele bedeutende Bauten wie das Nationalstadion in
      Warschau, Stadien für die WM 2010 in Südafrika, ein Luxusstadion mit Park für
      einen Oligarchen im russischen Krasnodar oder erweiterten für die WM 2006
      das Berliner Olympiastadion. Für Volkwin Marg sind die Zuschauer eines
      Fußballspiels allerdings lediglich die Claqueure für die Bandenwerbung. Mit
      dem Sport Fußball hat das oft wenig zu tun. Aktuell kümmert er sich um den
      Umbau des Estadio Santiago Bernabéu in Madrid zu einem riesigen Show-
      tempel. Begeistert zeigte er sich von China. Hier ist technisch alles erlaubt und
      möglich, Staatsauftrag hin oder her. Man darf grundsätzlich nicht zu kritisch
      sein, was den Bauherrn betrifft. Für Volkwin Marg ist der Architekt der letzte
      Generalist heutiger Berufszweige, im Gegensatz zu vielen Spezialisten. Es war
      ein sehr beeindruckender Vortrag einer großen Persönlichkeit. Als Dank verlieh
      der Veranstalter ihm den ersten "architecture world award" für sein wahrhaft
      beeindruckendes Lebenswerk. Er gibt den Preis an sein Team weiter.

      Datum: 8. bis 9. November 2017

      architectureworld.com