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      Eine ganz besondere und exzellente Ausstellung macht derzeit für nur acht
      Tage in Duisburg Station. Im Rheinpark sind die "Blue Container" auf 30.000
      qm voll mit wundervollen Kunstwerken aus China und der alten und neuen
      Seidenstraße. Organisiert wurde die Schau von der China National Academy
      of Painting in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Chinesischem Kulturaus-
      tausch für Kunst und Design e.V..

      Von außen sieht es gar nicht so groß aus, doch innen erwartet den Besucher
      eine riesige Auswahl an grandiosen Kunstwerken, für die man wohl drei
      Stunden Zeit benötigt. Die Zelte sind gut gefüllt mit Arbeiten entlang der
      Seidenstraße, also u. a. aus China, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan,
      Iran und Deutschland. Der Großteil stammt aus China. Zwischen Duisburg
      und China gibt es einen regelmäßigen Warenverkehr per Zug mit China. So
      ist die Wahl des Ortes nicht zufällig.

      Faszinierend sind die klasse ausgeführten Repliken der Höhlenmalereien der
      rund eintausend Höhlen in Dunhuang. Die Originale sind dort bis zu 1.600
      Jahre alt und erstaunlich gut erhalten. Sie sind für die Historiker exzellente
      Quellen, was die einzelnen Dynastien in China betrifft. Die Malereien der
      Tang-Dynastie sind besonders wertvoll. Oft geben sie Hinweise auf die
      Architektur und die Lebensweise. Dunhuang war für die Mönche ein wichtiges
      Handelzentrum auf der Seidenstraße, der Schnittpunkt zwischen Westen
      und Osten. Ihre Motive erzählen Geschichten oder entführen den Besucher in
      mystische Welten. Zahllose Buddhafiguren, Soldaten, aber auch normale
      Bürger wie Bauern oder Handwerker sind abgebildet. Die Farben haben sie
      aus mineralischen Quellen gewonnen. Ein Zelt in der Ausstellung zeigt
      originalgetreu eine dieser Höhlen. Etwa drei Höhlen pro Jahr schaffte man pro
      Jahr in Dunhuang zu bemalen. Die Art der künstlerischen Ausgestaltung wird
      an Schautafeln erläutert. Zu den heute noch gut lesbaren chinesischen Schrift-
      zeichen auf den uralten Höhlenwänden kam es damals, weil Papier teuer
      war und man deshalb eine vereinfachte und verkürzte Schrift wählte. Diese
      Arbeiten sind ganz selten in Europa zu sehen.

      Noch nie in Deutschland waren die wundervollen Tuschearbeiten zu erleben.
      Gehandelt werden sie in China übrigens nach der Fläche der Arbeit. Ungefähr
      30 x 30 cm kosten rund dort umgerechnet ca. 3.000 Euro. Es fällt auf, dass
      sich chinesische Künstler auch figurativen Motiven und europäischen
      Maltechniken annähern. Die Perspektiven sollte man jeweils beachten. Schrift
      und Grafik haben in China den gleiche Ursprung. Parallelen zur Entwicklung
      europäischer Kunst sind deutlich. Abstrakte Tuschearbeiten gibt es ebenso
      in China. Die ganze Palette dieses Kunstgenres ist mit über einhundert
      Werken vertreten. Man steht staunend vor faszinierenden Landschaften oder
      Portraits, egal ob traditionell oder modern. Die Kontraste hängen oft bewusst
      nebeneinander.

      Ein kleinerer Bereich umfasst die Druckgrafik des modernen China. Der wirt-
      schaftliche Aufschwung wird dokumentiert, hier und da auch mit seinen
      Schattenseiten. Gleiches gilt für die weitere zeitgenössische Kunst. In
      Videos wird u. a. verdeutlicht, dass der Aufschwung von jedem Chinesen
      einen Preis verlangt. Oft ist das harte Arbeit. Ein Film über das größte
      Industriegebiet im Norden des Landes, der neun Stunden dauern soll, zeigt
      die Arbeitsbedingungen der einfachen Arbeiter. Migration russischstämmiger
      Gruppen ist auch im Reich der Mitte nicht so einfach, wie eine filmische
      Dokumentation zeigt. Kunst mitnehmen lässt sich auch. Der erste chine-
      sische Aktionskünstler, "Frog King", zeichnet mit Tusche die Namen der
      Besucher oder besondere Sprüche auf Chinesisch und kostenfrei. Man kann
      sich auch einen globalen Personalausweis ausstellen lassen, der jede Form
      von Rassismus ins Leere laufen lässt.

      Die extrem sehenswerte Ausstellung ist nicht nur kostenfrei und sehr
      besucherfreundlich, sie bietet auch unheimlich informative Führungen von
      bis zu zwei Stunden Länge, wenn man Glück hat sogar mit dem Kurator
      höchstpersönlich. Chinesische Studentinnen und Studenten der Kunst-
      geschichte aus unserer Region vermitteln die Inhalte der Ausstellung sehr
      gut. Man sollte dieses Angebot nutzen. So schnell werden diese Schätze
      hier nicht mehr zu sehen sein.

      Laufzeit: 2.-10. Juni 2018, Rheinpark Duisburg, Liebigstraße 36, 47053 Dbg.

      www.bluecontainer.org



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