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Buch 'Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe' aus dem Klartext Verlag
Die sehr umfassende Publikation "Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe" ist Teil des Projekts "100 jahre bauhaus im westen". Über 700 prägnante Exponate spiegeln die Geschichte dieser Vorzeigesiedlung dar.

Funktionale und ästhetische Momente findet man in der Siedlung Margarethenhöhe sehr zahlreich. Architekt Georg Metzendorf erschuf gemeinsam mit der Stadt Essen eine Gartenstadt als Ensemble. Die 50 ha Bauland sowie die eine Million Grundkapital stiftete Margarethe Krupp, Frau von Alfred Krupp, dem Patriarchen auf dem Hügel. Nach seinem Tod über nahm sie die Leitung der Firma und war auch sozial sehr engagiert. So kam es zum Bau der Siedlung, die nach nur zehn Jahren 1919 komplett fertig gestellt wurde. Zahlreiche Neuerungen hatten die Häuser zu bieten, sowohl in der Aufteilung als auch technisch. Metzendorf entwarf Geschirr, Fenster, Türklingen und sogar Möbel für die Bewohner, die nicht zwingend Mitarbeiter der Krupp-Werke waren.

Die Margarethenhöhe entwickelte sich mehr und mehr, wurde zur Künstlersiedlung. Hermann Kätelhön siedelte sich schon 1917 an. Für ihn wurde das kleine Atelierhaus erbaut. Es folgten Künstler und Kunsthandwerker wie Joseph Enseling, Willi Lammert, Frida Schoey, Kurt Levy oder Josef Albert Benkert. Später folgte das große Atelierhaus, das 1944 vom Bomben zerstört wurde. Die Goldschmiedin Elisabeth Treskow fertigte nicht nur wunderbaren Schmuck, sondern ebenfalls die Amtskette des Esseners Oberbürgermeisters und später die Meisterschale des DFB. Selbst der damals schon renommierte Fotograf Albert Renger-Patzsch ließ sich auf der Margarethenhöhe nieder. Sein Atelier hatte er im damaligen Museum Folkwang. Die Verbindung der Margarethenhöhe zur Folkwang-Bewegung ist eng. Kurz war auch die keramische Werkstatt in der Siedlung angesiedelt. Heute befindet sie sich auf Zollverein. Aufträge hatten alle Kreativen reichlich. Man arbeitete gut zusammen.

Leider veränderte sich durch die Machtergreifung der Nazis 1933 die Atmosphäre auf der Margarethenhöhe. Bisherige Leitungspositionen wurden durch Nazigrößen ersetzt. Das Museum Folkwang verlor durch die Kunstsäuberung zahlreiche Werke. 1944 lag die Margarethenhöhe in Schutt und Asche. Sie wurde aber nach Kriegsende nach originalen Plänen größtenteils wiederaufgebaut.

Wenn man denkt, dass Essen erst 1896 zu einer Großstadt erwuchs, war die Entwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts ziemlich rasant. Einige der wichtigsten Architekten Deutschlands arbeiteten im aufstrebenden Essen. Das Kapital von Krupp ermöglichte ihnen viele Aufträge in und um Essen herum. Das Ruhrgebiet als solches nahm erst später seine Form an.

Dieses interessante Buch zeigt sehr schön, wie sich das Kleinod Margarethenhöhe im gesellschaftlichen Kontext entwickeln konnte.

"Aufbruch im Westen - Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe", Klartext Verlag, 288 Seiten, Festeinband, zahlr. farb. Abb., ISBN 978-3-8375-2100-9

Datum: 4. April 2020

klartext-verlag.de