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Buch 'Ich lebe - Wie Kinder Kriege überstehen. Ein Jahrhundertporträt.'
Das Buch "Ich lebe - Wie Kinder Kriege überstehen. Ein Jahrhundertporträt." schwenkt den Blick auf eine sehr berührende Art und Weise in eine Welt, die uns sonst verborgen erscheint. Kinder sind stets die schwächsten Opfer eines Krieges. Wie erleben sie die die Gefahrenlage und die Folgen? 11 Beispiele werden in diesem klasse Buch aufgezeigt.

426 Millionen Kinder leben derzeit in Kriegsgebieten. Sie sind auf der Flucht, werden missbraucht, zur Arbeit gezwungen, als Kindersoldaten getrimmt oder leben in schlimmster Armut, oft ohne einen Funken Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Seit 1919 hat sich die Hilfsorganisation "Save the Children" der Aufgabe angenommen, vor Ort zu helfen. Sie sorgen für Bildung, medizinische Hilfe, bauen Brunnen mit sauberem Wasser und besorgen alles das, was dringend nötig ist. Eglantyne Jebb war die erste Initiatorin. Heute ist Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Anne Schirmherrin der Organisation.

Es sind wahre Schicksale, die weltweit als Beispiele dafür stehen, wie wichtig die Arbeit von "Save the Children" ist. Das Projekt begann mit einem 11jährigen Mädchen aus Syrien, das in einem Flüchtlingslager im Libanon lebt. Es saß still und traurig in der Ecke einer Hütte. Als der Fotograf Dominic Nahr es vorsichtig ansprach stellte sie sich überraschend in Pose und genoss die Aufmerksamkeit. Plötzlich redete es und träumte von magischen Kräften, um sich jeden Wunsch zu erfüllen. Es wurde das erste Kapitel des Buches.

Es folgte ein 105 Jahre alter Senior aus Berlin, der der den Ersten und Zweiten Weltkrieg überlebte. In Ruanda band eine Mutter ihre Kinder mit Hemdsärmeln zusammen und schickte sie fort, denn Rebellen mit Macheten ähnlichen Messern waren ganz nahe dem Dorfe. Die Kinder sahen sahen ihre Mutter nie wieder, sind aber heute selbst Mutter. Vichuta Ly wurde von den Roten Kmer in Kambodscha u. a. zum Dienst als Kindersoldatin gezwungen. Sie musste miterleben, wie ihre beste Freundin von Soldaten vergewaltigt und ermordet wurde. Manche Augenblicke vergisst man ein Leben lang nicht. Die Weltreise geht weiter über den Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939), den Koreakrieg (1950-1953), den Biafrakrieg in Nigeria (1967-1970) bis hin zu einem bewaffneten Konflikt in Kolumbien (1964-2016) wo es es sich um Drogenanbau dreht.

Ganz nah ist der Überlebenskampf einer heute alten Frau im1945 völlig zerstörten Berlin. "Save the Children" sorgte für Schulunterricht und Schulessen in einer ansonsten hungernden Stadt. Den Abschluss bildet ein afghanischer Flüchtling in Pakistan, der als Kind mit seiner Familie flüchten musste und heute selbst elf Kinder hat. Er möchte allen eine friedvolle Zukunft mit einer guten Schulbildung bieten. Krieg und Korruption sollen sie nicht erleben müssen. Ganz zum Schluss steht ein 13 Tage altes Baby einer Mutter, die dem Volk der Rohingyas angehört. Sie werden im Bangladesch als Flüchtlinge nur geduldet und gelten als Staatenlose. Ob dieses Baby eine Zukunft haben wird ist sehr ungewiss.

Es sind sehr berührende Texte von Bertram Job nach Interviews und Reportagen von Anna Mayumi Kerber, die auf farblich genau abgestimmten Papier als Einschub zu finden sind. Die jeweiligen Fotos dokumentieren oft eine Zeitspanne der jeweiligen Personen, alte Familienfotos, aber auch sehr behutsam geschossene neue Impressionen mit ganz viel Kopfkino, denn die Gewalt lässt sich nicht mehr dokumentieren. Auf die gute Gestaltung hat man großen Wert gelegt.

Als Gastautoren sind mit ebenfalls sehr guten Beiträgen, Anne-Sophie Mutter, Ingo Zamperoni, Jon Swain, Anne Watts, Margrethe Vestager, Ban Ki-moon, Professor Wole Soyinka, Mayte Carrasco, Marcel Mettelsiefen, Ulrike C. Tscharre, Amir Hassan Cheheltan und Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller dabei.

Bei der Lektüre dieses klasse Buches wird es einem sehr bewusst, dass man sein Leben in Deutschland oder Europa in den letzten 75 Jahren leben durfte. Hier war es friedlich. Kinder konnten verhältnismäßig glücklich aufwachsen. Der Blick hinaus in die Welt ist notwendig, um das Kinderelend ein wenig zu lindern.

"Ich lebe - Wie Kinder Kriege überstehen. Ein Jahrhundertporträt.", Save the Children, Kerber Verlag, 324 Seiten, 102 farbige und 60 s/w Abbildungen, Hardcover, Deutsch, 22 × 26,5 cm, ISBN 978-3-7356-0632-7

Datum: 27. Dezember 2020

www.kerberverlag.com