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      Der Festival-Samstag beim 42. Internationalen ComedyArts Festival in der
      Eventhalle in Moers hatte alles mit dabei, die großen Momente und die
      großen Experimente. Die Zuschauer hatten trotz allem viel Spaß mit den
      Künstlern.

      Es war der letzte Abend für den künstlerischen Leiter Holger Ehrich. Er
      wechselt nach Schwerte. Zwölf Jahre lang prägte er das Festival durch seine
      Persönlichkeit und die Auswahl der Gäste. Mancher Künstler, der heute sehr
      bekannt ist, wurde hier entdeckt. Die vielen ehrenamtlichen Helfer sowie
      die Gäste werden ihn vermissen.

      Das größte Lob an diesem Abend gilt Alfons, der Puschelreporter aus dem
      TV. Großartig, wie er durch den Abend führte. Deutsche und Franzosen sind
      Nachbarn und doch so verschieden. Alfons ist sogar Deutscher geworden,
      muss aber noch viel lernen: Effizienz, Fleiß oder Pünktlichkeit. Doch wie
      war es bei der Fußball-WM? Da ist er doch noch Weltmeister geblieben. Die
      französischen AKWs hat man aber schön an die deutsche Grenze gebaut.
      Das Umweltbewusstsein ist in Frankreich noch stark ausbaubar. "Solange
      die Frösche nicht im Dunkeln leuchten wird sich daran auch so schnell nichts
      ändern." Dafür regen sich die Franzosen über die EU-Norm für Kondome
      auf. Sie fühlen sich etwas eingeengt. Immerhin leben wir aber nun seit 70
      Jahren ohne Krieg. Wenn das kein Erfolg der Deutsch-Französischen-Freund-
      schaft ist! Ein wenig naiv ist aber doch. Früher glaubte er, dass die Tour de
      France eine Sportveranstaltung sein. Betrügen können die Deutschen nun
      aber ebenfalls, beim Diesel. Sie haben sich jedoch die Mühe gemacht, eine
      Software zu entwickeln. Franzosen hätten einfach den Prüfer bestochen. In
      unruhigen Zeiten plädierte er für den Zusammenhalt der Religionen. Nur so
      können wir unsere Zukunft friedvoll sichern.

      An Anfang machte der Franzose Raymond Raymondson. Als verhinderter
      Zauberer oder Artist nahm er seine Kollegen aufs Korn. Wo ist denn nur der
      Hase für den Hut? Wie schaffe ich es mit einer Medaille um den Hals einen
      einfachen Kopfstand zu bewältigen? Bewusstes Versagen ist auf der Bühne
      stets schwierig darzustellen. Als Eisbrecher machte er seine Sache ordent-
      lich.

      Mit Mirja Regensburg folgte eine flotte, weibliche Comedian. Sie hasst es,
      ihre barocken Bauchansätze zu verbergen. Bauchfrei ist angesagt. Männer
      gehen damit ganz entspannt um, warum nicht auch die Frauen? Clips für die
      angebrochene Chipstüte? Die gibt es bei ihr nicht. Als passives Mitglied der
      Weightwatchers versucht sie zumindest das Extreme zu verhindern. Singen
      kann sie auch. Mit einer eigenen musikalischen Bewerbung für den ESC
      möchte sie die Stimmen der Osteuropäer für sich gewinnen, mit ganz viel
      aufgeblasenem Glitzer und Wind in den Haaren. Ein insgesamt sehr
      guter Auftritt.

      In der Pause konnten Cirq'ulation Locale auf dem Vorplatz glänzen. Es sah
      alle so spielend leicht aus und war doch so hochklassig. Wie kunterbunte
      Vertreter eines mittelamerikanischen Urvolks phantasievoll gekleidet,
      kannten sie kaum Grenzen ihrer Trampolinkunst. Schrauben und Salti,
      alles kein Problem. Ihre Trampolinnummer war akrobatisch und humoristisch
      ein Augenschmaus!

      Experimentell wurde es mit LongJohn nach der Pause. Die vier Künstler
      versuchten die alten Western humorvoll aufzuarbeiten. Für die Mehrheit im
      Saal wurde es eine sehr zähe Angelegenheit, volle 60 Minuten lang. Humor
      ist Geschmacksache und Alfons schaffte es nach der anschließenden
      zweiten Pause gekonnt, das Publikum wieder auf die richtige Humorschiene
      zu bringen. "Wer keine Reibungspunkte möchte, der soll RTL schauen."
      Recht hat er.

      Den glorreichen Abschluss bildete das Duo Carrington-Brown. Sie sind in
      Moers alte Bekannte und immer wieder richtig klasse. Nicht nur ihr Humor
      ist toll, musikalisch haben beide ordentlich was drauf. Sie entlockt ihrem
      Cello "Joe" klassische und auch mal indische Klänge einer Sitar. Wer in
      Bollywood Karriere machen möchte, der muss die Inder überzeugen. Sie
      zeigten, dass die Ursprünge der britischen Popmusik bei Bach liegen. Man
      hörte Sambaklänge, Jaque Brel, einen schönen Singer-Songwritersong
      namens "A bird in an open cage" und klassische Opernklänge wunderbar
      dargeboten. Beide haben sehr gute Stimmen und viel musikalisches Talent.
      Eine Prise Humor war aber immer im Spiel. Stehenden Ovationen waren der
      Dank des Publikums.

      Datum: 15. September 2018

      www.comedyarts.de