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      Auf einer der schönsten Konzertbühnen im Revier gastierte Sänger und
      Liedermacher Rainhard Fendrich mit seiner Akustik-Tour "Für immer a
      Wiener - Live 2018". Die ausverkaufte Lichtburg in Essen bot einen hervor-
      ragenden Ort für ein ebenso klasse Konzert.

      Seine erste Gitarre bekam er mit 15 Jahren. Er jobbte anfangs hier und da
      und nahm Gesangsunterricht. 17 Studioalben in 35 Jahren krönten seine
      anschließende musikalische Karriere. Mit nun über 60 ist er wie ein gut
      gereifter Wein, eine tolle Persönlichkeit und ein klasse Musiker. Das Alter
      hat auch seine guten Seiten. Die Auswahl an guten Songs in seiner Karriere
      ist riesig. Rund 250 veröffentlichte Titel sollen es sein. Ein Abend reicht da
      nicht. In Essen war es eine Mischung aus Hits und alten Songs tief aus der
      Schublade. Seine siebenköpfige Band begleitete ihn exzellent.

      Mit "Wien bei Nacht" ging es los. Seiner Heimat huldigte er das gesamte
      Konzert über. Mit "Du bist schön" rief er alle Frauen dazu auf, keinen Schön-
      heitschirurgen an sich ran zu lassen. Falten erzählen über das Leben.
      Gewisse Erinnerungen hat er an sein katholisches Knabeninternat. "Frieda"
      war damals sein großer Schwarm nebenan bei den Mädchen. Ihr widmete er
      einen Song. Unsere Zeit ist etwas sehr merkwürdig, besonders aus öster-
      reichischer Sicht. Mit "Brüder" und "Kein schöner Land" prangerte er die oft
      hasserfüllte und rassistische Haltung Rechtsradikaler an. Bei der braunen
      Brut in Wiens Kabinett braucht man da ein dickes Fell.

      Das Verbot von Fotos und Filmmitschnitten hielt er für blödsinnig. Einfach
      mal sich dagegen auflehnen und Eindrücke vom Konzert sammeln. Jeder
      durfte so viel er wollte. Er ist der Meinung, dass jeder sowieso überall und
      täglich von Überwachungskameras und fremden Handys gefilmt wird. Die
      Handys wurden gezückt, doch man wollte auch die Songs genießen. Es
      artete nicht aus. Auflehnen sollte man sich auch öfter, z.B. gegen Nazis.
      Fendrich bezog politisch klar Stellung. Man kann nicht oft genug daran
      appellieren, sich den rechtsgerichteten Idioten entgegen zu stellen. Wie
      sagte Fendrich: "Wir sind mehr".

      Fendrich wurde auch persönlich. Als Kind hatte er stets Angst vor der
      Geisterbahn. Dass er mit über 60 noch auf der Bühne stehen darf ist für ihn
      ein großes Glück, vertont mit dem Song "Das höchste der Gefühle".
      Manches kann er nicht fassen. Männer in der "Midlife crisis" nehmen sich
      einen Personal Coach, obwohl die eigene Blüte schon lange vorbei ist.
      "Sonnenuntergänge" hat er mit 17 oder 18 Jahren geschrieben. Mit wem er
      damals wo den Sommer verbrachte, das ist ihm heute leider entfallen. Man
      kann an der Songauswahl und den Moderationen erahnen, dass es viele
      Mädels waren, die er lieb streichelte. Das Meer erblickte er mit 18 erstmals.
      "Zwa Schlapfer'n und a Sonnenbrü'n" reichten damals. Mit den Zugaben
      stand dann auch das Publikum. Die Lichtburg feierte Fendrich. Mit "Weus'd
      a Herz hast wi a Bergwerk" verabschiedete er sich. Insgesamt war es eher
      ein Zuhörkonzert. Man genoss lieber still die Songs, sicher auch, weil das
      Wienerische, so weit nördlich nicht unbedingt der verbreitete Zungenschlag
      ist.

      Weitere Songs des Konzerts waren u. a. "Macho Macho", "Schickeria",
      "I am from Austria", "Vü schöner is des G'fühl", "Blond", "Für immer a
      Wiener", "Löwin und Lamm", "Die Liebe bleibt immer ein Kind", "Tango
      Korrupti", "Schickeria", "Voller Mond", "Schwarz oder Weiß" und "Es lebe
      der Sport".

      Rainhard Fendrich ist gesellschaftskritisch, politisch, sympathisch und
      guter Beobachter, der die Dinge wortgewandt anspricht. Es war ein profes-
      sioneller Auftritt mit ganz viel ehrlichem Herzen. Keine schleimigen Lob-
      hudeleien ans Publikum oder Erwähnungen der Stadt Essen. Er wirkte nicht
      abgehoben und strahlte durch sein Auftreten sehr viel Persönlichkeit aus.
      Ein musikalisch toller Abend an einem wunderbaren Ort.

      Die Einnahmen aus seiner Tour-CD fließen in ein Projekt, das von Armut
      bedrohte Kinder unterstützt. In Österreich sind es insgesamt 330.000, in
      Deutschland 18 Millionen. Erschreckende Zahlen.

      Datum: 24. September 2018, Lichtburg, Essen

      www.semmel.de
      www.fendrich.at