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      Im Grillo sind die Tiere los. "Jupp - ein Maulwurf auf dem Weg nach oben" von
      Gertrud Pigor ist ein sehr humorvolles und sehr gutes Familienstück.

      Der Intendant Christian Tombeil hat sich dem Thema als Regisseur persönlich
      angenommen. Schließlich kennt er sein Publikum, sein Theater und alle
      geheimnisvollen Ecken. Das Ergebnis ist insgesamt spürbar anrührend und
      überzeugend. Ohne seine Theatertiere kann auch der Essener Intendant nicht
      leben, auch wenn diese eher menschlicher Natur sind. Im Stück leben die Katze
      und Theaterchefin (Floriane Kleinpaß), zwei alte Hasen (Ingrid Domann, Jens
      Winterstein), ein Marder (Gregor Henze) und der Maulwurf Jupp (Mateusz
      Dopieralski) allerdings unter der Theaterbühne. Geht etwas oben auf der Bühne
      schief, so greifen sie seit 125 Jahren ein und retten die Aufführungen mit allen
      Tricks, ohne dabei sichtbar zu sein. Mit ihren Lauschern in ihrer geheimen
      Kammer bekommen sie dort alles mit. Einen Schatz gibt es hier unten auch.
      Den hat ihnen vor 125 Jahren Friedrich Grillo hinterlassen. In der allergrößten
      Not soll er ihnen helfen.

      So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Maulwurf Jupp hat sich von Bottrop
      durch die Erde bis in den Keller des Grillo Theaters gebuddelt. Er liebt das
      Theater und grüßt als gelernter Bergmann standesgemäß mit "Glück auf". Das
      "Toi, Toi, Toi" muss er genauso lernen wie andere Theaterrituale. Dazu gehören
      die offiziellen Ansprachen der Katze vor großer Runde an ihre Leute oder das
      Klopfen auf Holz. Ohne diese verspürt man einfach keinen Theaterzauber. Der
      berühmte Funke muss überspringen, damit das Publikum zufrieden nach Hause
      geht. Oben auf der Bühne allerdings beginnen die Proben für den Froschkönig.
      Die Tiere sehen das von den Menschen gemachte Unglück kommen. Uli
      Jungspund führt Regie. Das kann nicht gut gehen, denn die Prinzessin Babsi
      van Bammel hat ständig Lampenfieber, der Froschdarsteller will kein Tier spielen
      und der König Holger Zorn möchte traditionell ein Schloss auf der Bühne haben,
      sonst spielt er nicht. Obendrein ist Jacky Zufall für die Requisiten und die Bühne
      zuständig. Die alten Theaterhasen unter den Brettern ahnen das Schlimmste
      und so kommt es dann auch. Es scheint so, dass all ihre bisherigen
      Erfahrungen und Tricks nicht ausreichen werden, um auch dieses Mal helfend
      einzugreifen. Der finanzielle Ruin des Theaters droht. Doch da ist ja noch Jupp,
      der schnell gelernt hat. Er hat eben nicht nur Tiefgang, sondern auch Talent.
      Der Fortgang nach der Pause ist ebenfalls höchst amüsant.

      Die Auftragsarbeit überzeugt schauspielerisch auf ganzer Linie und sprüht nur
      so vor Selbstironie. Eine gute Zeitungskritik lässt manchen Mimen ein paar
      Zentimeter wachsen oder man fühlt sich zu Größerem berufen. Die Zunft der
      Schauspieler wird sehr amüsant und treffend dargestellt. Welcher jüngere
      Regisseur kennt es nicht, ein Stück auch mal verhauen zu haben. Sensible
      Seelchen hat jede Bühne und kurzfristige Änderungen in der Inszenierung
      müssen auch mal sein, wenn es hakt und Liebesentzug vom Publikum droht.
      Alle solche theatertypischen Aspekte spielen hinein. Das Bühnenbild (Carla
      Friedrich) ist genauso toll gelungen wie die Kostüme (Anne Koltermann). Drei
      Waschbären (Hajo Wiesemann, Bastian Ruppert, Philipp Zdebel) sind für die
      sehr gute Live-Musik zuständig. Sie stammt von Jan-Willem Fritsch.

      Nicht nur Kinder ab 6 Jahren haben an diesem sehr guten Stück ihren Spaß,
      sondern auch Erwachsene. Als Besucher muss man ständig schmunzeln, so
      liebevoll und anrührend hat Christian Tombeil seinen "Jupp" inszeniert. Selbst
      den Schauspielern merkt man den Spaß auf der Bühne an. Man fühlt sich an so
      Stücke wie "Jim Knopf" oder "Anton, das Mäusemusical" positiv erinnert. Gutes
      Familientheater zu machen ist keine leichte Aufgabe. Gratulation!

      Datum: 11. November 2017, Premiere

      www.schauspiel-essen.de