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'Der Ursprung der Liebe' als Live-Stream im Theater Oberhausen
Das Theater Oberhausen ist zurück aus der Zeit des Schweigens. Mit dem Stück „Der Ursprung der Liebe“, nach der Graphic Novel von Liv Strömquist, hat man sich nun auch hier der Form der Online-Live-Streams verschrieben. Die beiden Ensemblemitglieder Lise Wolle und Ronja Oppelt widmen sich auf eine sehr abwechslungsreiche Art und Weise im Dialogstil dem großen Thema der Menschheit, garniert mit gekonnten Musikeinlagen.

Für beide Protagonistinnen war es ein Herzenswunsch, diesen Comic-Stoff auf die Bühne zu bringen. Gemeinsam mit der Regisseurin Karoline Behrens führten sie selbst die Regie. Das Ergebnis ist eine Fassung, die sich dem Format des Online-Streams perfekt anpasst, wobei der Aufwand an Kostümen und Requisiten enorm war. Die Video-Abteilung hatte mit Einspielern und Effekten gut zu tun. Da Lise und besonders Ronja als gute Sängerinnen gelten, gibt es zwischendurch auch in dieser Hinsicht ein paar musikalische Auflockerungen zu hören, ohne dass das Stück in ein Musical ausartet.

Inhaltlich geht es um das Thema der Liebe, kein einfaches Unterfangen. Wie analysiert man ein solch großes Gefühl in seiner Entwicklung durch die Jahrhunderte? Einst wurden Ehen zwischen den Familien arrangiert, um der Frau ein wirtschaftliches Auskommen oder einen gesellschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen. Lise und Ronja blickten zurück zur Zeit der nordischen Sagen. Frigg, die Gattin von Odin, nahm es mit der ehelichen Treue nicht immer ernst, doch die moralisch schwierigen Lebenspassagen wurden später gesellschaftlich sauber umgeschrieben.

Später wurde die echte Liebesheirat modern. Man hatte die freie Wahl, aber immer mit der Einschränkung, dass wenn man sich entschieden hatte, auch nicht mehr fremdgehen durfte, bis dass der Tod sie scheidet. Kann der Mensch überhaupt monogam sein? Bei bestimmten Tieren spricht man davon, dass sie ein Leben lang monogam bleiben. Können sie uns nicht Tipps geben? Stattdessen lesen wir heute Liebesratgeber von Sexualcoaches, während die Konsumgüterindustrie das Thema Liebe im großen Stil kommerzialisiert. Es gibt Datingportale, doch nach 50 und mehr Dates findet manche Frau noch immer nicht ihren Traumprinzen. Was läuft da schief? Dürfen wir die beiden Bereiche Liebe und Sexualität so sehr miteinander verknüpfen? Wie sollen wir mit dem sexuellen Eigentumsrecht in der Ehe umgehen? Kritisch wird es, wenn sie in erster Linie den Cash des Mannes heiratet, gefolgt von der Prostitution in der Ehe. Sex als Handelsware! Es wird erwähnt, dass der Mann häufig die sexuelle Macht in der Beziehung besitzt.

Die Inszenierung beleuchtet geschickt die Veränderung der Liebe im Alter. Oona Chaplin bekam mit ihrem Mann Charlie acht Kinder und pflegte ihn zehn Jahre lang bis zu seinem Tod. Auch das ist eine Form der Liebe.

Mitmachen durften auch die Zuschauer vor den Bildschirmen. Sie konnten per SMS ihre schönsten Liebeserklärungen senden, die am Ende vorgelesen wurden.

Am Ende wurde klar, dass es mit der Liebe heutzutage in romantischer Hinsicht nicht mehr so doll bestellt ist. Sie ist nur allzu leicht vergänglich, wenn man nicht aufpasst. Die Inszenierung stellt sehr gut heraus, wie vielschichtig, kompliziert und zerbrechlich das Thema Liebe ist. Ein Lob geht schauspielerisch an die beiden Protagonistinnen und an die Kameraführung, die mit interessanten Perspektiven das Stück sehr lebendig wirken lässt.

Datum: 26. Februar 2021 (Vorpremiere)

www.theater-oberhausen.de