abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Mit dem Stück "Männer, die denken" präsentiert das Theater Oberhausen ein
      durchaus sehenswertes Schauspiel zur Rolle von Mann und Frau in der Gesell-
      schaft. Regie führte Daniel Mathéus, unterstützt durch Julia Mota Carvalho.

      Wir reden von Gleichberechtigung in der Gesellschaft und doch werden Frauen
      schlechter bezahlt und Männer bekleiden die meisten Führungspositionen.
      Natürlich haben sich die Rollenbilder verändert, aber auch so, dass Gleich-
      berechtigung herrscht? Davon sind wir noch ein ganzes Stück weg. Wie würde
      dieses Konstrukt eigentlich aussehen?

      Es geht um Klischees. Wie muss eine Frau sein? Wie muss sich ein Mann
      verhalten? Posen, Lippenstift und Schönheits-OPs werden thematisiert. Man
      grillt Würstchen und berichtet davon, dass im Kindergarten der Junge mit langen
      Haaren als Mädchen gehänselt wird. Sie feiern Abschied vom Patriarchat und
      stoßen die Männerrolle vom Sockel. Ist aber das Matriarchat besser? Jedem
      sollte gleichberechtigt seine Freiheit zugestanden werden. Man bekommt
      Gedankenpausen zur Reflexion, Lebenstipps und sieht typische Geschlechter-
      merkmale.

      Das Bühnenbild ist variabel. Zunächst wird der Rasen verlegt, werden Zäune
      erstellt und ein Haus gebaut, der optisch passende Rahmen der Handlung. Der
      Baum auf der Bühne wirkt wie ein mit einer Lichterkette geschmückter
      Wunschbaum. Oft schwingt durch ironische Stellen der vielfach fast unmögliche
      Wunsch von Gleichberechtigung mit über die Bühne. Gesellschaftliche Erwar-
      tungen prägen häufig unser Bild im Kopf.

      Schauspielerisch ist anzumerken, dass die auch sonst guten Ronja Oppelt und
      Lise Wolle zusammen eine sehr gelungene Besetzung sind. Beide haben
      großes Potential, eine gute Bühnenpräsenz und können auch singen. "You
      make feel like a natural woman" von Aretha Franklin und "My way" als ruhige
      Version und als Punkversion werden dargeboten. Physisches Theater in Form
      von modernen Tanzchoreografien zeigen Halina Martha Jäkel und Bianca
      Pulungan. Die weibliche Gefühlswelt wird so unterstrichen. Es ist zu allererst
      ein Stück zum philosophischen Nachdenken über das Rollenverständnis von
      Mann und Frau. Der Humor kommt etwas zu kurz oder ist nicht fein genug,
      wenn z.B. Clemens Dönicke als Frau verkleidet langatmig und albern die Bühne
      aufbaut. Männerrollen liegen ihm, der grundsätzlich wie Lise und Ronja zu den
      besseren Akteuren im Ensemble gehört, deutlich mehr, wie z.B. in "Amok" im
      kleinen Haus. Da kann er fein humoristisch glänzen.

      Man merkt, dass man sich nach den ersten beiden weniger erfolgreichen
      Premieren im großen Haus Gedanken gemacht und auf zu provokante Aspekte
      verzichtet hat. Die Sprache ist zivile Umgangssprache, Nacktheit wird dezent
      angedeutet und die Kostüme sind wirklich das Gegenteil von zu schrill. Das
      Leitungsteam um Florian Fiedler hat schon wichtige Dinge gelernt. Ganz
      kurzfristig wurde das Stück vor der Premiere noch von 85 auf passende 60
      Minuten Spielzeit gekürzt. Trotzdem ist für diese Spielzeit szenisch noch Luft
      nach oben vorhanden.

      Datum: 10. November 2017 (Premiere)

      www.theater-oberhausen.de