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      Mit "Mathis der Maler" vom Paul Hindemith widmet sich das Musiktheater im
      Revier einer selten gespielten Oper, die in sieben Bildern zu überzeugen weiß.
      Es ist eine sehr intensive Inszenierung. Regie führte Generalintendant Michael
      Schulz.

      Die Eröffnungspremiere der Spielzeit ist bewusst so spät gelegt worden, um
      möglichst nahe an den Reformationsgedenktag (31.10.) heran zu kommen. Die
      Reformation in Kombination mit den Bauernkriegen text- und bildgewaltig
      behandelt. Es fließt auch jede Menge Blut. Die Zeiten sind unruhig. Die gesell-
      schaftliche Relevanz ist heute noch klar erkennbar. Hindemith stellte die Oper
      1935 fertig, ehe er selbst über die Schweiz in die USA flüchtete.

      Im Mittelpunkt steht Mathis (Urban Malmberg), der als Maler die Gunst von
      Kardinal Albrecht von Brandenburg (Martin Homrich) genießt und in einem
      Kloster der Malerei frönt. Kann er als Maler in solch lutherisch unruhigen
      Zeiten moralisch entgegen wirken? Hat seine Kunst überhaupt einen Sinn?
      Er zweifelt mehr und mehr an sich selbst. Die Begegnung mit dem Bauernführer
      Hans Schwalb (Tobias Haaks) und seiner Tochter (Bele Kumberger) ist die
      Initialzündung, sich den kämpfenden Bauern anzuschließen und seinen Raus-
      schmiss am Hofe zu forcieren. Schnell merkt er, dass er als Exzentriker für den
      Krieg nicht gemacht ist. Er überlebt als gebrochener Mann ohne jegliches
      Heldentum. Des Malens ist er nicht mehr fähig. Himmel und Hölle treffen dabei
      sehr bildhaft aufeinander. Individuelle Freiheit oder Verantwortung für alle, das
      ist hier die hochaktuelle Frage.

      Das sehr variable Bühnenbild (Heike Scheele) besticht durch eine historische
      Schlichtheit, die sich jedem dargestellten Ort anpasst. Darin inszeniert werden
      sehr gut Situationen wie die sehr gut dargestellte Bücherverbrennung oder
      kriegerische Gemetzel. Es bietet ausreichend Raum für jedes Bild, sich zu
      entwickeln. Eine Yves Klein-Performance als Film und eine Tortenschlacht nach
      der Eat-Art von Daniel Spoerri sind kunsthistorisch angelehnte Szenen. Es gilt,
      das tolle Spiel mit Licht hervorzuheben.

      Die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus Baumann hat
      es verstanden, die Musik sehr gut zu interpretieren, besonders bei der tollen
      Akustik im Saal. Es ist kein Verdi oder Mozart und trotzdem interessant.
      Getragene Töne und der Takt des Kriegs lassen die einzelnen Bilder flehend,
      fragend, verzweifelnd, zerrissen oder hoffend erklingen.

      Bei der Premiere stellte Michael Schulz sympathisch die Inszenierung vor.
      Alleine der Chor trägt vier Kostümsätze. Insgesamt werden 800 Kostüme
      benötigt, vom Höllenkleid bis zum schlichten Herrenanzug. Besonders das
      Lernen der Texte war extrem, so schwierig ist diese alte deutsche Sprache.
      Auch der Zuschauer muss sich sehr konzentrieren, aber nicht jeden Satz der
      Übertitel mitlesen. Die heute noch erkennbare gesellschaftliche Relevanz macht
      diese gute Inszenierung zu einem wichtigen Kulturgut.

      Datum: 28. Oktober 2017, Premiere

      www.aalto-musiktheater.de