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Klingenmuseum in Solingen
Wir alle benutzen Schneidewerkzeuge ständig in unserem Alltag. Wie haben sie sich entwickelt? Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen-Gräfrath dokumentiert die Geschichte von Bestecken, Scheren und sonstigen Schneidewaren, kurz die Kulturgeschichte der Klingen von der Bronzezeit bis heute.

1904 begann die Solinger Fachschule für Metallgestaltung Exponate zu sammeln. Seit 1991 ist das Deutsche Klingenmuseum im ehemaligen Gräfrather Kloster beheimatet. Die klare und helle Architektur verschmilzt ideal mit der sehr vielschichtigen Sammlung. Das Museum besteht aus hauptsächlich zwei Ebenen. Es gibt ein Klingenmuseum für Kinder und ein Schmiedehaus, wo das alte Handwerk in Kursen live praktiziert wird.

Die ältesten Exponate sind grobe, prähistorische Keile mit einer Schneide. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Schneidekunst immer weiter entwickelt. Dabei entstanden Klingen für zahlreiche spezialisierte Bereiche. Die Kriegsführung ist ein wichtiger Bereich. Was ist der Unterschied zwischen Säbel, Schwert und Degen? Uns ist das heute nicht mehr geläufig, denn die Feuerwaffen sorgten ab dem 14. Jahrhundert für eine Revolution in der Kriegsführung. Reich an Klinge oder Griff verziert, blieben die Kriegsklingen trotzdem beliebt, als Liebesgabe oder als wichtiges Objekt für die Pilgerfahrt. Bei Hinrichtungen wurden sie gerne verwendet. Allerdings sollten sie nur rund hundert Mal verwendet werden, denn dann galten sie als zu blutrünstig. Man vergrub sie anschließend.

Die Alltagsklingen im Haushalt sahen damals anders aus. Auf Design achtete man schon früh. Allerdings brachte man sein eigenes Besteck samt Kasten mit, da die Hygiene nicht überall garantiert war. Aus Handwerkermessern, die auch privat genutzt wurden, wurden mehrteilige und kunstvolle Bestecke. Man zeigte seinen gesellschaftlichen Status. Teilweise wurde edles Silberbesteck mit billigem Zinnstahl nachgeahmt. Die Pressformen waren die gleichen, doch nur so konnte sich jeder dieses Design leisten. Flache Holzteller waren erst um 1500 üblich. Ab 1700 wurden Speisemesser mit einer runden Klinge zivilisiert genutzt. Vorwaren sie spitz, zum Aufspießen der .

Klingen wurden für immer spezialisierte Anwendungen geschaffen. Medizinische Klingen konnten für Operationen sehr fein sein. Ein Amputationsmesser wirkte da schon etwas handfester. Klappmesser gab es bereits in der Römerzeit. Das ist keine Schweizer Erfindung. Auf die Messer folgten die Scheren, die zuerst Schneidezangen ähnelten. Es war die hohe Kunst der Schleifer, eine Schere zu schleifen. Viele waren hoch verziert und mit einem Etui versehen. Wer Scheren schmieden konnte, der konnte auch jede Art von Messer herstellen. Seit dem 18. Jahrhundert kamen auch Rasiermesser in Mode.

Solingen erwuchs im 19. Jahrhundert zu einem europäischen Zentrum der Klingenproduktion. Mehr als 300 Betriebe waren hier angesiedelt. Heute das Deutsche Klingenmuseum die ganze Breite an Klingen in einem sehr interessanten, historischen Abriss. Die umfangreiche Ausstellung erzählt zahlreiche Geschichten zu einzelnen Objekten oder Epochen. Was heute oft maschinell hergestellt wird, das war einst ein hoch angesehenes Handwerk.

www.klingenmuseum.de