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Buch 'Eine Reise auf den Glockner – Das Abenteuer der Besteigung im Jahr 1802' aus dem Verlag Anton Pustet
Das klasse Buch „Eine Reise auf den Glockner – Das Abenteuer der Besteigung im Jahr 1802“ ist eine eindrucksvolle und abenteuerliche Zeitreise in das Österreich von vor gut 200 Jahren, das Zeitalter der Aufklärung. Es sind historische Reiseerlebnisse, die aus einer anderen, heute kaum noch vorstellbaren Welt stammen.

Joseph August Schultes war ein Mediziner und Pionier der Botanik. Als ihn eine vermögende und hochherrschaftliche Reisegruppe fragte, ob er als Arzt mit ihnen den Großglockner besteigen möchte, sagte er sofort ja. Erst 1800 notierte man die Erstbesteigung. Reisen war 1802 noch beschwerlich. Mit Wanderstiefeln, in der Kutsche oder mit einfachen Booten kam man voran, meistens allerdings zu Fuß. Die Regionen der Obersteiermark, Kärnten, Salzburg und des Berchtesgadener Lands waren damals noch dünn besiedelt. Seinen Reiseberichten ist zu entnehmen, dass es reichlich wilde Natur gab. Fast pathetisch hatten ihn steile Felswände, stürzende Wasserfälle, enge Schluchten und die tollen Naturpanoramen begeistert. Ständig gewitterte es unterwegs in den Bergen. Bauern waren stämmige Burschen, die vor Kraft nur so strotzten oder an gefährlichen Felshängen mit der Sense das Gras mähten. Andere arbeiteten in Bergwerken hoch in den Bergen, holten Salz und Gold aus der Erde. Schon damals hielt das Kapital die Bergleute finanziell kurz. Man musste teilweise sogar betteln gehen. Gasthäuser und guten Wein gab es jedenfalls schon damals. Als wohlhabende Reisegruppe musste man nicht knausern, beklagte sich hier und da aber durchaus über die Preise.

Es war eine verdammt abenteuerliche Reise, die in einem der ersten Reiseführer 1804 endete. Die originalen Passagen vermischen sich mit Abschnitten, die von Christoph Braumann in neuzeitlicher Sprache zusammengefasst verfasst wurden, sonst wäre es teilweise etwas schwer verständliches Deutsch. Nicht nur die österreichische Landschaft hat sich gewandelt, Ortsbezeichnungen und die Sprache ebenfalls. Eigentlich ist es ein Wunder, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Mit aus heutiger Sicht recht bescheidener Ausrüstung überwand man Felswände, brüchige Gletscher oder tiefe Abgründe. Gletscher wuchsen damals übrigens noch. Alpenpässe waren längst nicht das, was wir heute kennen. Jeden Moment konnte ein Steinbrocken einen erschlagen und im Frühjahr zerstörten Muren die Täler. Es gab noch einige Bären oder Stiere, die mit ihren Hörnern Wanderer bedrohten. Man lebte mit dieser Art von Naturkatastrophen und war sich der Gefahr für das eigne Leben bewusst. Immer wieder fügt Christoph Braumann historische Hintergründe ein. Die Reisegruppe besuchte schließlich gerne mal eine verlassene Burgruine oder eine Höhle. Zeichnungen von Schultes persönlich oder aus der Zeit skizzieren die damaligen Gegebenheiten.

Wenn man sich heute Österreich betrachtet, dann sind die erwanderten Gegenden für den alpinen Tourismus gut erschlossen oder es sind Städte mit modernem Leben. Die arme Bauernschaft hat sich Generationen später zu reichen Vermietern gewandelt. Schön sind u. a. die Reiseberichte vom Königsee, wo in Fischerhütten Menschen in ärmlichsten Verhältnissen lebten. Man ruderte einsam über den See.

„Eine Reise auf den Glockner – Das Abenteuer der Besteigung im Jahr 1802“, Verlag Anton Pustet, 194 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 17 x 24 cm, Hardcover, Lesebändchen, ISBN 978-3-7025-1010-7

Datum: 26. April 2021

pustet.at