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Buch 'Der letzte Überlebende - Der Junge, der 14-mal dem Tod entkam' aus dem Verlag wbg Paperback
Als wäre das Geschehen nicht schon 80 Jahre her, ist das Buch „Der letzte Überlebende - Der Junge, der 14-mal dem Tod entkam“ so packend und nahe. Die reale Lebensgeschichte des Juden Sam Pivnik, der von den Nazis unendlich gequält wurde, ist wahnsinnig berührend und mahnend. Ein klasse Buch.

Jeder weiß um die Terrorherrschaft der Nazis in Deutschland. In der Schule hört man die Zahlen, Daten und Fakten. Die Gesichter von Hitler und seinen Folterknechten kennt man grob. Fernsehdokumentationen erzeugen Bilder des Schreckens. Was jedoch oft fehlt sind die persönlichen Erlebnisse der Opfer. Sam Pivnik, der nach dem Zweiten Weltkrieg britischer Staatsbürger wurde, vermittelt genau dieses Schreckliche von unten, das Alltag in Nazi-Deutschland war. Selten berührt ein Buch so intensiv.

Wenn man die Schilderungen von Sam Pivnik liest, fängt das Kopfkino an zu arbeiten, der Blutdruck steigt, denn es fühlt sich so nahe an. Es begann ganz harmonisch in einem kleinen Dorf in Polen. Die Großfamilie Pivnik kam über die Runden und war in der jüdischen Gemeinde aktiv. Mit dem Überfall der Deutschen auf Polen änderte sich alles. Auch diese Familie fürchtete um ihr Dasein. Gerüchte machten die Runde. Die Schlinge zog sich immer enger. Schließlich folgte der Abtransport ins KZ nach Auschwitz. Die Familie wurde an der Rampe getrennt. Keiner wusste was folgen würde. Für Sam Pivniks Überlebenskampf ist der Begriff Horrorfilm noch harmlos. Es folgten zahlreiche Selektionen, aber auch Momente, wo ihm einfach einer der wenigen guten Menschen beistand, ihm Tipps gab oder ihn warnte. Ohne diese Menschen wäre er nicht alt geworden. Dabei lässt er die allerschlimmsten Details wohlformuliert im Dunkeln. Trotzdem wimmelt das Buch von Hinrichtungen, Dreck, Elend, Krankheit, Hunger, Durst, Toten und dem Unwissen, was morgen wohl sein wird. Als er am Ende, eingepfercht mit über 4.000 Mithäftlingen, auf dem Schiff Cap Arcona von Alliierten bombardiert wird und sich entkräftet an den Strand rettet, hat er viel Glück, denn der Krieg war aus und die SS-Leute versuchten nur noch ihren eigenen Kopf zu retten. Da ist er erst um die 20 Jahre alt und sucht seine Zukunft. 14 mal stand er ganz kurz vor dem Tor zum Jenseits. Ein Kopfschuss hätte genügt. Diese kaum vorstellbaren Erlebnisse sind nicht fiktiv, sondern real. Da muss man oftmals tief durchatmen und sich glücklich schätzen, zu spät geboren zu sein.

„Der letzte Überlebende - Der Junge, der 14-mal dem Tod entkam“, Sam Pivnik, wbg Paperback, 296 Seiten, 45 SW-Abbildungen, Broschur, Deutsch, ISBN 978-3-534-27331-7

Datum: 12. April 2021

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