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mit Landschaftsarchitekt Peter Latz durch den Landschaftspark Duisburg-Nord
Hoher Besuch im Landschaftspark Duisburg-Nord! Der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Peter Latz beehrte Duisburgs Aushängeschild, im Rahmen seiner Buchpräsentation, mit seiner Anwesenheit. Ohne ihn hätte es den Park nämlich so nie gegeben. Die stillgelegte Industriebrache wurde von ihm Anfang der 1990er Jahre konzeptioniert und von den Bürgern schnell für gut befunden. Seit 22 Jahren ist dieser ungewöhnliche Park für die Menschen erschlossen.

Mit seinen 77 Jahren wohnt er heute 35 km nördlich von München. Für sein Alter ist er noch ziemlich fit und mit gutem Humor ausgestattet. Herrlich, wie er in seiner Rede vom Verdrängungswettbewerb heimischer und nicht heimischer Pflanzen im Park berichtete, Wer zu spät kommt, der muss sich eben als Unkraut bezeichnen lassen. Er skizzierte wie mühsam es war, die 49 gusseisernen Hematit-Platten auf die Piazza Metallica zu bekommen. Pro Platte wiegen die sieben bis acht Tonnen. Hematit schmilzt erst bei 1.600 °C. Geplant wurde damals in fünf Arbeitsgruppen neun Monate lang im Hüttenmagazin, öffentlich für die Bürger. Schnell wurde der Park zu einem Erfolgsmodell. Schon 1999 hatte man 200% der gesteckten Ziele erreicht.

Der Freizeitwert auf unterschiedlichen Ebenen ist heute sehr hoch. Zusätzliche Bäume, wurden damals geometrisch angeordnet und exotische gibt es ebenfalls. Selbst Kiefern wachsen auf einer sechs bis sieben Zentimeter dünnen Humusschicht. Was hier gedeiht, das muss sehr genügsam sein, denn darunter befindet sich Schlacke. Grundsätzlich gilt und galt, dass die Objekte die Gestaltung vorgeben und nicht umgekehrt. Robuste Strukturen waren wichtig. Man nutzte das vorhandene System der Gleistrassen genauso für das Konzept, wie bestehende "Störkörper" oder Wasseradern. Dabei vermitteln heute die untypischen Parkelemente, wie Hochöfen oder andere Bauten, wichtige Informationen über die Geschichte des Parkgeländes. Die Farben der Natur sollten ihn prägen, als Kontrast zum industriellen Erbe. Sie sind Teil der ästhetischen Idee, wie auch die Verwitterungen der Wand- und Metalloberflächen. Zur geplanten, abendlichen Illumination von Jonathan Park hatte man übrigens lediglich ein paar Skizzen zur Hand. Ob es Kunst oder Kirmes werden sollte, konnte man vorher nicht sagen. Damals hatte man in Duisburg noch Mut zu ausgefallenen Projekten in der Stadt.

Im Anschluss an seine Rede führte Peter Latz die Teilnehmer exklusiv durch sein" Werk. Eine solch einmalige Führung brachte viele Informationen ans Tageslicht, die andere Gästeführer so nicht bieten können. Peter Latz erklärte, wie das Wassersystem im Park der Schwerkraft folgt, sichtbar und unsichtbar. Die heute renaturierte Alte Emscher mit ihrem ehemaligen Betonbett war damals offiziell ein natürliches Gewässer. Die Renaturierung galt als künstlicher. 18 Monate musste er für den Umbau kämpfen. Eine alte Arsen-Entgiftungsanlage wird heute bei Regen zu einem Wassergarten. Größere Regenrückhaltebecken werden regelmäßig mit Frischwasser gefüllt. Das Wasser von einem, durch Bergsenkungen, sehr tief liegenden Oberhausener Friedhof, bei dem das Grundwasser abgepumpt werden muss. Aufgefangenes Regenwasser ist ebenfalls kostbar. Ohne frisches Wasser wäre die Alte Emscher mit ihren Gabionen in heißen Sommern ziemlich trocken. Das Gesundheitsamt prüft regelmäßig die Qualität. Das Wasser ist sauber.

Kaninchen leisteten in den Wällen der Gleisharfe anfangs ganze Arbeit. Eine natürliche Krankheit rottete sie hier aus. Stege hat man erhalten und ergänzt. Die Gitteroste wurden nach der Stilllegung 1985 gestohlen, wie auch die Kupferkabel im leeren Werk. Mit Moped und Anhänger wurde der Diebstahl bestens organisiert. Auch in den begehbaren Kabelschächten unter dem Park man ganze Haufen von Kunststoffummantelungen der Betriebselektriker. Sie bauten oben sogar offene Feuerstätten, um sie zu verbrennen. Die leeren Bierflaschen standen noch in der Nähe. So wurde im Dienst Kupfer zu Bier. Die mit einer Betonsäge aufgeschnittenen Erzbunker waren zwar schon früh mit einem neuen Steg öffentlich betriebsbereit, die Türen hat man aber erst acht Jahre später aufgeschlossen. Warum ist nicht zu erklären. Hier findet man heute, inhaltlich begleitet vom Lehmbruck Museum, und im illuminierten Schalthaus einen historischen Film zum ehemaligen Werk.

Freie Flächen würden die Gärtner auch gerne noch botanisch und für einen Park typisch bestücken, doch das sehen das Gestaltungs- und Pflegekonzept nicht vor. Frisch gepflanzte Buxe wurden in der Anfangszeit auch mal aus einer gestalteten Bunkertasche gestohlen. Da wusste man zumindest, dass der Landschaftspark von der Bevölkerung schon früh angenommen wurde. Blickt man in den "Stadtgarten", so entdeckt man viele ungewöhnliche Substrate in den Beeten. Der Park ist voller Kuriositäten und Geschichten.

Heute hat der 180 ha große Park einen unschätzbaren Werbewert für die Stadt Duisburg. Seit 1997 wird er von einer Betriebsgesellschaft geführt. Besitzer sind das Land NRW, der RVR, die Stadt Duisburg und die Emschergenossenschaft. Die noch aktiven Bahntrassen gehören der Deutschen Bahn AG. Rund eine Million Besucher kommen jedes Jahr, sehr gerne auch zur Illumination von Jonathan Park bei Dunkelheit.

Ganz preiswert ist der Betrieb nicht. Für die grundlegenden Erhaltungsmaßnahmen benötigt man ungefähr 3,2 Mio. Euro pro Jahr. Zusammen mit allen anderen Kosten sind 4,5 bis 5,5 Mio. Euro pro Jahr nötig, die teilweise durch Vermietungen wieder eingespielt werden. Bei Film- und TV-Produktionen ist der Park national und international sehr beliebt. Niemand möchte ihn missen oder abreißen. "Hundert Jahre sind für einen Park kein Alter", so Peter Latz. Kommende Generationen werden sich um den Erhalt kümmern müssen, um sein Werk fortzuführen.

Datum: 18. November 2016

Fotos und Infos zum Landschaftspark Duisburg-Nord
www.latzundpartner.de