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Emscherkunst 'Neustadt' der Urbanen Künste Ruhr im Landschaftspark Duisburg-Nord
Den Landschaftspark Duisburg-Nord ziert ein neues, spannendes Kunstwerk. Es trägt den Titel „Neustadt“, stammt von Julius von Bismarck und Marta Dyachenko und ergänzt sehr interessant den Emscherkunstweg im Ruhrgebiet.

Im Maßstab 1:25 entstand im Randbereich des Landschaftspark eine Miniaturlandschaft mit Wohngebäuden, Schwimmbädern, Schulen, Kirchen, einem Kraftwerk, einer Emscherrinne und zwei Bunkern, insgesamt 22 Objekte. Sie wurden zwischen 1904 und 1993 erbaut und sind mittlerweile alle dem Wandel des Stadtbildes zum Opfer gefallen. Altes wird durch Neues ersetzt. Lohnt die Sanierung nicht mehr, wird neu gebaut. Kirchen werden den Gemeinden im Unterhalt zu teuer und verkauft. In die Jahre gekommene Schwimmbäder genügen nicht mehr den modernen Wünschen der Badegäste. Bei Betonbauten stellt sich häufig die Frage der Asbestsanierung. Da ist ein Abriss meistens günstiger. Manche Wohnsilos wirken so wuchtig, dass man dort kaum noch leben möchte oder sich soziale Ghettos bilden. Ein paar Sprengladungen helfen dann gerne. So wandelt sich das Stadtbild im Laufe der Jahrzehnte und passt sich dem jeweiligen Geschmack an.

Konzipiert wurden die Objekte nach Bild- oder Filmvorlagen, bzw. vorhandenen Bauplänen. Danach ging es an die Realisierung, die nicht selten detailverliebt ist. Ähnlich wie bei den Originalen, verwendete das Künstlerduo Baustoffe wie Stahl, Edelstahl, Acrylglas, Aluminium oder Gussbeton. Schwergewichte sind die Miniaturbauten definitiv. Zwischen 250 kg und gut 6,5 Tonnen wiegen sie. Das noch fehlende Kraftwerk Gustav-Knepper aus Dortmund wird locker über 10 Tonnen schwer sein. Beim Beton bediente man sich des 3-D-Drucks und schöpfte so die technischen Möglichkeiten unserer Zeit aus.

Man sollte sich die Objekte ruhig näher betrachten. Drinnen befinden sich zwar keine Möbel, wie in einem Puppenhaus, aber Treppen und sogar ein Schwimmbecken mit Startblöcken und einem Sprungturm sind erkennbar. Blickt man über die Balkone in die Etagen, so bekommt man ein gutes Raumgefühl für die damaligen Wohneinheiten. Spannend sind auf jeden Fall die Perspektiven, die wir aufrecht oder gebückt einnehmen.

Mit dabei sind u. a. Das Freizeit- und Allwetterbad in Schwerte (1993-2017), die Wohnanlage „Goliath“ in Marl (1972-2006), zwei Bunker in Duisburg und Oberhausen, die Kirchen St. Stephanus (1952-2018) und St. Joseph (1904-2015) in Essen, das Hallenbad in Marl (1962-2016), die VHS in Essen (1971-2014), der City-Wohnturm in Bergkamen (1974-2016) oder ein Schulkomplex in Essen (1958-2015). Alle sind sie Geschichte und könnten doch viele Geschichten erzählen. Manch ein Besucher der „Neustadt“ wird sich vielleicht erinnern, dort gewohnt oder schwimmen gelernt zu haben.

Was allerdings auffällt, ist die Tatsache, dass in nicht wenigen Fällen kein Architekt mehr zu ermitteln war. Bei Bauten der Alltagsnutzung scheint die Wertschätzung der architektonischen Leistung schnell in Vergessenheit zu geraten.

Entwickelt wurden die Objekte im Künstleratelier in Berlin. Mit einem Binnenschiff ging es über den Rhein-Herne-Kanal bis nach Duisburg. Hier haben sie ihren festen Standort zwischen dem Hauptparkplatz des Landschaftsparks und der A42. Der performative Akt einer schwimmenden Stadt umgeben von Landschaft war den beiden Künstlern dabei wichtig.

Der Zugang zum Kunstort ist frei. Schon bald wird sich eine neue Gewichtung in der Beziehung zwischen Architektur und Natur feststellen lassen, denn die Büsche werden die Objekte grün einbetten.

Datum: 22. April 2021

www.urbanekuensteruhr.de