![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
|
Mit „It´s Britney, Bitch!“ hatte das Schauspiel Duisburg das Berliner Ensemble zu Gast. Sina Martens schlüpfte sehenswert in die Rolle einer der bekanntesten Pop-Prinzessinnen der Nuller-Jahre. Britney Spears kam, sah und siegte. Ihr mädchenhafter, sexy Charme schob sie als Teenager ganz nach oben. Der Hype war grenzenlos. Ihr glattes Image war Vorbild für viele andere Teenager. Das alles wurde ihr zu viel. 2007 kam der Zusammenbruch. Sie schnitt sich ihre Haare ab und wurde 2008 entmündigt. Ihr Vater übernahm die Vormundschaft, bis schließlich 2021 sie vor Gericht siegte und ihre persönliche Freiheit wiedererlangte. Im Berliner Erfolgsstück von Lena Brasch und Sina Martens, welches im Berliner Ensemble stets vor ausverkauftem Haus im großen Saal läuft, wird ihre Leidensgeschichte schauspielerisch und musikalisch verfolgt. Die Bühne mutiert dabei zu einem Show-Käfig aus Vorhängen und Licht. Optisch schlüpft Sina Martens in Britneys jeweiligen Lebensphasen. Klamotten und Haare verändern sich. Man erkennt die Pop-Prinzessin durchaus wieder. Ihr Trauma dauerte 13 entmündigte Jahre plus die Jahre zuvor. Dabei erlebt man, dass sie persönlich nicht das naive Pop-Girly ist, sondern eine junge Frau, die den ihr verpassten Rock zu kurz findet oder eine Person verkörpert, die den Rummel um ihre Person kritisch sieht. Journalisten stellten wirklich dumme Fragen, wollten wissen, ob sie noch Jungfrau sei. Ihre mediale Darstellung wurde auf ihr äußeres Image beschränkt. Den Menschen Britney Spears interessierte die Öffentlichkeit nicht. Akustische Einspieler von Medienauftritten zeigen ein erschreckendes Bild von medialen Dumpfbacken, darunter auch Interviewfragen von Thomas Gottschalk. Niemand dieser TV-Menschen nahm sie persönlich ernst, eher ihre Brüste und das Popowackeln. Sie brauchen Geschichten um Drogen oder Skandale. Sina zieht Vergleiche mit Amy Winehouse oder Janis Joplin. Wer sich weigert, die Erwartungen der Fans zu erfüllen, der wird öffentlich niedergemacht. Wer zu sehr von der Öffentlichkeit vergöttert wird, der bricht auch mal zusammen. Der Umgang mit weiblichen Bildern mutiert zu einer Katastrophe. Eigene, echte Gefühle waren Britney quasi untersagt oder vorbestimmt. Ihr Vater regelte auch ihr Gefühlsleben. Selbst die Manager verpflichteten sie auf Tour zu gehen, in Las Vegas aufzutreten. Sie durfte ausschließlich Playback singen und fügte sich in ihr Schicksal, wollte nicht anecken. Sina Martens spielt das erlittene Trauma hervorragend als Solostück. Die Texte stammen von Laura Dabelstein, Miriam Davoudvandi, Fikri Anil Altintas und Lena Brasch. Ein Kleiderständer mit verschiedenen Outfits ermöglicht ihr die einzelnen Phasenwechsel. Sie spricht von der Sehnsucht nach Liebe, den Konflikten mit dem Vater, ihre Wut auf ihren Vormund oder den Umgang der Medien. Melancholie und Verzweiflung blicken immer wieder durch. Dabei hinterfragt sie mittendrin gerne mal ihre eigene Person als Schauspielerin oder als ehemaliger Teenie-Fan von Gwen Stefani, die irgendwann dem Pop-Ruhm entsagte und zur Country-Musik wechselte. Britney wollte einfach mal abtauchen wie ein Fisch, warten bis ihr Vater nicht mehr existiert und raus aus der seelischen Knochenmühle Pop-Business. Die Emotionen kommen sehr gut rüber. Musikalisch singt Sina Martens einige Hits von Britney Spears live, allerdings sehr auf den Text konzentriert und in ihrer Interpretation. Sie bleibt auf der Bühne die Sina, die Person, die versucht sich in Britney hinein zu denken. Gegen Ende schlüpft sie dann doch noch ins berühmte rote Outfit von „Oops, ...“ und performt tänzerisch die Choreo zum originalen Sound, die schließlich endgültige Verwandlung in die Pop-Prinzessin Britney. Dieses Stück ist ein Musterbeispiel für den Umgang mit jungen Menschen in der Musikbranche, die auf Erfolg getrimmt werden, ein makelloses Image verkörpern sollen. Sie müssen jung, sexy und glatt sein. Daran hat sich wenig geändert. Datum: 11. Dezember 2025 www.theater-duisburg.de |
Schauspiel 'It´s Britney, Bitch!' als Gastspiel des Berliner Ensemble im Schauspiel Duisburg, Foto: Julian Röder![]() nächstes Foto |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||