![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
![]() |
||||
|
Mit dem Musical „Cabaret“ vom Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel gastierte einer der populärsten Stoffe im Schauspiel Duisburg. Es war ein schwungvoller Ausklang des alten Jahres mit vielen bekannten Melodien und großer Aktualität. Es ist Silvester 1929 in Berlin. Im Kit-Kat-Club tanzt man gegen eine Wirtschaftskrise an, versucht sich abzulenken. So unpolitisch wie es aussieht ist die Lage dort aber nicht. Die Nazis haben sich schon in Stellung gebracht. Der amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw (Vincent John) hat die Zeichen der Zeit erkannt und möchte mit dem Star des Clubs, Sally Bowles, in die USA auswandern, doch sie möchte bleiben. Jeder sucht eine persönliche Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll. Wie ein amorphes Wesen windet sich der Conférencier (Léon van Leeuwenberg) durch die Handlung, eine der Traumrollen auf Musicalbühnen, wie auch die Rolle der Sally Bowles, sehr gut gespielt von Sabrina Pankrath. Vorlagen sind die Erzählungen von Schriftsteller Christopher Isherwood der damals in Berlin weilte. Er war schwul und musste nach England fliehen. Der Stoff nahm einige Wendungen. Im Musical wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Hetero-Mann. Auch die echte Sally war eigentlich hochpolitisch eingestellt, kein Naivchen in einem zwielichtigen Club. Die künstlerische Freiheit und die gesellschaftliche Moral der 1950er hinterließen am Originalstoff ihre Spuren. In den 90er Jahren wurde der Stoff offener, rauer und frecher dargestellt, bis heute. Heute sind die Inszenierungen oft ziemlich unterschiedlich gewichtet. Regisseur Markus Kopf und der musikalische Leiter Tankred Schleinschock haben viele Hits mit dabei, so z.B. „Cabaret“, „Money“ oder „Life is a cabaret“, das als Finale zum Ohrwurm für den Nachhauseweg wird. Die Musik wird komplett live von der siebenköpfigen Band auf der Bühne präsentiert. Dazwischen befindet sich ein Laufsteg mit einem Glitzervorhang. Natürlich hat jede Figur ihr Päckchen zu tragen. Fräulein Schneider (Gabriele Brüning) würde gerne Herr Schultz (Tankred Schleinschock) heiraten, doch die politischen Entwicklungen lassen das nicht zu. Langsam arbeitet man die Story auf den Untergang hin. Der Rechtsradikale trägt dabei nur einen dunkelgrauen Ledermantel ohne jedes Nazi-Symbol. Man möchte die Handlung nicht nur in der damaligen Zeit verorten, sondern auch einen Bezug zur heutigen Zeit gedanklich zulassen, eine ernste Warnung aussprechen. Der zweite Teil nach der Pause ist bewusst kurz gehalten, aber nicht zu kurz. Der Untergang wird angedeutet, nicht in der Tiefe behandelt. So bleibt die Aufführung unterhaltsam und mahnend zugleich. Man stellt sich im Nachgang aber gewisse Fragen. Dürfte dieses Musical aktuell in den USA laufen? Würden die Faschisten im Weißen Haus das zulassen? Was würde die AfD in Sachsen oder Sachen-Anhalt dazu sagen? Rechtsaußen mögen keine Kritik an ihrer menschenfeindlichen Ideologie. Aufklärerische Kultur ist ihnen ein Graus. Es war war definitiv ein gelungener Ausklang für das abgelaufene Jahr im Schauspiel Duisburg. Datum: 29. Dezember 2025 www.theater-duisburg.de westfaelisches-landestheater.de |
Musical 'Cabaret' im Schauspiel Duisburg, Foto: Volker Beushausen![]() nächstes Foto |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||