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Ausstellung 'überLeben in der Eiszeit' im Ruhr Museum in Essen
Das Ruhr Museum auf Zollverein präsentiert die sehr spannende und tiefgreifende Paläontologische Landesausstellung „überLeben in der Eiszeit“, in der die kleinen Exponate die wichtigsten sind.

Vor 150.000 Jahren lag die Gletschergrenze im Ruhrgebiet. Der Essener Hauptbahnhof war 95 m hoch mit Eis bedeckt. Die Ausstellung schaut 2,6 Milliarden Jahre zurück, ins quartäre Erdzeitalter. Sie möchte die Klischees aufbrechen, denn Eiszeit bedeutet nicht immer nur lebensfeindliche Kälte. Selbst wir leben in einer Warmphase einer Eiszeit. Eine Eiszeit besteht, wenn beide Pole mit Eis bedeckt sind. In etwa 10.000 bis 20.000 Jahren wird die laufende Eiszeit enden. Das Eis der Polkappen wird geschmolzen und viele Gegenden versunken sein, auch Duisburg, Düsseldorf und Köln. Der Meeresspiegel steigt um etwa 80 m und nur der Essener Süden wird trocken bleiben, so die wissenschaftlichen Prognosen.

Eingeteilt ist die Ausstellung in fünf Kapitel: Landschaft, Pflanzenwelt, Tierwelt, Menschen und Klima. Es war nicht immer kalt. Zeichnungen zeigen einen leicht bekleideten Mann in freier Natur, umgeben von Mammut und Wollnashorn. Hier geht es los.

Das wertvollste Exponat ist der Unterkiefer eines Homo Heidelbergensis, 610.000 Jahre alt und 22.000 Generationen zurück. Die Weiterentwicklung des Menschen wird auch an der Keile-Technik sichtbar, die auch als Schmucksteine verwendet wurden. Birkenpech oder Bienenwachs verwendete man als Klebstoff für Lanzen. Olfaktometrische Riechstationen vermitteln den Duft, während zwei Neandertaler über Besucher wachen. Den Menschen im heutigen NRW gibt es seit etwa 350.000 Jahren. Ebenso bedeutsam sind ein 1,3 Milliarden alter Granit-Findling aus Südfinnland, der eine 1.300 km lange Reise auf Gletschertischen aus Eis hinter sich hat, sowie ein sehr filigran abgeformtes Eiskristall aus der Arktis.

Die Pflanzenwelt der Eiszeit ist interessant. 40.000 fach vergrößerte Pollen, kälte- und wärmeliebend entgegengesetzt, sind Indikatoren für die Wissenschaft wie auch z.B. die Weiße Silberwurz. Wälder gab es nur in der Warmzeit, kleinere Vegetation in der Kaltzeit. Man erfährt über die Mangelernährung eines Mammuts in der Kaltzeit, der sich vor 42.000 Jahren durch Moos, statt von Gräsern ernähren musste. Besucher entdecken einen 13.000 Jahre alter Baumstamm oder einen Zunderschwamm mit dem man Feuer entzünden konnte.

Die Tierwelt reicht vom Pflanzenfresser, über Allesfresser bis hin zum Fleischfresser, was an Taststationen näher vermittelt wird. Dazu gibt es die Tiere der Kaltzeit, der Warmzeit und die Generalisten, die Kalt und Warm vertragen konnten, als Dermoplastiken, lebend rekonstruiert oder als Skelette in Lebensgröße aufgereiht. Ausgestellt sind ein 4,3 m langer Stoßzahn eines Mammuts als Replika, Knochenreste von Höhlenhyänen, das Skelett eines Höhlenbärenbaby und sogar Hyänenkot. Selbst die Galle einer Fichtenlaus und Puppen der Schmeißfliegen im Schädel eines verstorbenen Mammuts haben Forscher gefunden. Kleinere Hörner trugen Tiere im Wald, während der Warmphase. Flusspferde wurden bei Xanten gefunden. Grafische Animationen im Wechsel der Jahreszeiten bei Essen Kettwig sind zu sehen. In der Kaltzeit gab es wenige Niederschläge, dafür eher Staubstürme. Im Baugrund einer Kläranlage fand man Fußspuren von 20 Tieren, drunter Rentiere, Höhlenlöwen oder Wollnashörner. Einst gab es vier Elefantenarten im Ruhrgebiet, u. a. einen Südelefanten. Die Tierwelt der Eiszeit ist wirklich beeindruckend.

Das Klima ist ein großes Thema, schon damals. Karl-Friedrich Schimper gilt als Erfinder des Begriffs Eiszeit, 1837 in seinem Lehrgedicht „Die Eiszeit“. Man lernt, dass Goethe in erster Linie ein Naturwissenschaftler war, nebenbei auch ein Dichter. Die Kohlendioxid-Emissionen der letzten 150 Jahre sind für unsere heutige Klimaerwärmung verantwortlich, grafisch schön dargestellt. Kleine Eiszeiten, also im Winter zugefrorene Flüsse, lösten große Überschwemmungen aus, z.B. 1784 in Köln. Die Familie Beethoven wäre in Bonn dabei fast ertrunken, weil ihr Haus in den Rheinfluten versank. 1815 brach in Indonesien er Vulkan Tambora aus, mit weltweiten Folgen. Seine Asche ist ausgestellt. Caspar David Friedrich malte 1816 einen roten Himmel, ohne zu wissen, warum er so rot erschien. Es war ein Jahr ohne Sommer und mit kleinen Ernten. Selbst Napoleon versank bei Waterloo im Morast und ging unter. Man hört Augenzeugenberichte, findet einen „Hexenhammer“ von 1496 , eine Art Erklärungsversuch von Naturkatastrophen.

Am Ende wartet noch eine Hülle einer Wasserstoffbombe und Blick in die Zukunft. Kohlendioxid bleibt bis zu 200 Jahre in der Atmosphäre. Im Erfttal und im Ahrtal kann man davon ein Lied singen. Ein Atomkrieg würde die Erdtemperaturen sogar um 20°C senken. Eine Kunstnische präsentiert einen schreienden Gletscher, filmisch und akustisch mit originalen Geräuschen. Im Treppenhaus erblickt man ein eiszeitliches Ruhrtal, inkl. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (Winter).

Es gibt einen Katalog zur Ausstellung sowie ein schönes Rahmenprogramm.

Essen ist, neben Münster und Detmold, ein Standort der Landesausstellung. Die anderen beiden Standorte werden erst später ihre eigenen Themen präsentieren, die zeitlich weiter zurückreichen.

Laufzeit: 20. April 2026 bis 10. Januar 2027

ruhrmuseum.de

Ausstellung 'überLeben in der Eiszeit' im Ruhr Museum in Essen, Foto: Jehle

Ausstellung 'überLeben in der Eiszeit' im Ruhr Museum in Essen

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