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100 Jahre Stadthalle Mülheim feierte man an der Ruhr. Zunächst wurde das Jubiläum mit einem Festakt für geladene Gäste begangen, anschließend mit einem großen Fest für alle Bürger, drinnen und draußen. In hundert Jahren ist wirklich eine Menge passiert. Zunächst war in den 1920er Jahren der Wunsch nach einer repräsentativen Bühne für die Bürgergesellschaft sehr groß. Man beauftragte des dritten Preisträger des Architekturwettbewerbs, das Büro Pfeifer & Großmann, mit der äußeren Umsetzung, eine ABM-Maßnahme für die heimische Wirtschaft. Den Innenbereich verantwortete Prof. Emil Fahrenkamp. Nach nur zwei Jahren stand der prächtige, neoklassizistische Bau mit einer Muschelkalk-Fassade, der von manchen als „Ruhrvenedig“ abgetan wurde. Es war nicht der damals angesagte Architekturstil. Immerhin hatte das bereits existierende Mülheimer Rathaus einen Kirchenturm in Venedig stilistisch als Vorbild. Heute ist es eine Halle mit Charakter und Charisma, mit Geschichte sowieso. Bevor die Führungen für alle Gäste starteten, wurde offiziell im großen Saal gefeiert. Der Geschäftsführer der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST), Michael Birr, beschrieb seinen damaligen, ersten Rundgang durch das sehenswerte Gebäude, vom Dach bis zum Keller, der an an den Kölner Dom erinnert, sehr persönliche und schöne Eindrücke. Die Halle ist das gesellschaftliche Zentrum der Stadt. Mittlerweile ist es ein Gastspielhaus für Konzerte, Theater, gelegentlich mal Kino-Abende, Messen oder Kongresse. Das Geld ist knapp. Man möchte einen Förderverein gründen. Vielleicht bekommt man so die etwa 300.000 Euro für die Restaurierung der Paul-Ott-Orgel aus den 1950ern im großen Saal zusammen, die aktuell fehlen. Es folgte eine Begrüßung durch den Oberbürgermeister Marc Buchholz. Musikalisch war der Festakt der Anfang einer Zeitreise von den 1920ern bis heute. Denis Wittberg und Jörg Gerlach präsentierten mit Klavier und Gesang humorvoll Lieder der 1920er. Für den 1940er Boogie Woogie am Klavier war Jörg Hegemann zuständig, ergänzt durch ein Tanzpaar. Die Licht- und Soundabteilung bot in ihrer Bühnenshow alles, was die Technik hergibt, ein ordentlicher Wumms mit starkem Licht. Die Scheinwerfer kosten schon mal zwischen 6.000 und 12.000 Euro, fast alles LED-Licht. Saniert und modernisiert wird regelmäßig, 3 Mio. Euro flossen ich die Klimatechnik. Besondere Einblicke gab Museumsleiter Dr. Jörg Schmitz im Talk. Der Bau enthält eine Menge verschiedener Einflüsse der Architektur. Die Toskana erkennt man genauso wie Anklänge von Schinkel bei der Treppe zur Ruhr hin. Drinnen gab es eine Decke mit Blattgold, Seidentapeten, Art Deco und Lampen wie japanische Schirme. Pastelltöne waren vorherrschend. Wenig hat innen den Bombenangriff 1943 überlebt. Nur die die ehemalige Kassenhalle, heute ein Restaurant, zeigt noch, wie die gesamte Halle früher einmal ausgesehen hat. Verschiedene Gesteinssorten sorgen für Abwechslung. Kunst ist überall zu sehen. Prof. Gerhard Graubner leitete den Wiederaufbau in den 1950er Jahren. 1957 fand die Wiedereröffnung statt, mit figurativer Kunst, aber auch mit zeittypischen Gummibäumen und baulichen Erweiterungen. Die Mosaike „Engel“ und „Teufel“ von Jan Thorn Prikker findet man im Erdgeschoss. Auch noch aus der Ursprungszeit sind die schönen Türzieher des Kammermusiksaals. Interessant ist die 50er-Deko an den Logen. Tempeldarstellungen und noch vereinzelte Löwenmasken zieren die Fassade. Auch während der Architektur- und Technikführungen erfuhren die Gäste viel Hintergründiges. Das Portal zur Ruhrbrücke hin wurde einst von italienischen Wanderarbeitern erstellt und verziert mit Kapitälchen an den Säulen. Es mutet auch so an. Das Streusalz griff über die Jahre im Winter die Tragkonstruktion der Arkaden an. Man muss man diesen Bereich aktuell für 1,2 Mio. Euro sanieren. Hinauf ging es über schmale Treppen ins alte Stellwerk. Bis in der 80er wurde hier mit einer manuellen Technik das Licht geregelt. Gespeichert wurden die Einstellungen auf Floppy Discs. Mehrere Leute waren in dem kleinen Raum damals tätig, alle rauchten natürlich. Hinauf ging es auf den Schnürboden. Heute ist die Halle modern ausgestattet, obwohl, neben den E-Zügen, noch immer 27 Handzüge auf der 380 qm großen Bühne existieren. Sie haben bei größeren Gewichten ihre Vorzüge und wären sogar zugelassen Menschen fliegen zu lassen. Mit drei bis vier Tonnen an Gewichten lassen sich die Handzüge beschweren. Das Bühnenportal ist 14 m breit. Die moderne LED-Lichttechnik kann mit 78.000 Watt überzeugen, darunter zwei Lautsprecherbananen rechts und links und mögliche Subwoofer. Der eiserner Vorhang muss in maximal 29 Sekunden oben sein. Auf der Bühne an der Ruhr wurde ein buntes Programm geboten. Stefan Kretschmann präsentierte Magie und die damit verbundenen Tricks der Werbung, die uns täglich umgibt. Verblüffend! Die letzten beiden Acts hatten ihre Wurzeln im US-Entertainment. Hier gibt es so viele große Künstler, dass einige von ihnen ihr Glück in Europa suchen. Shondell ist so eine, die mit einer großen Stimme ausgestattet ist. Motown war ihr Motto. Hier durfte getanzt werden. Ihre vier Tänzerinnen hatte sie gleich mitgebracht, inklusive toller Kostüme aus der Zeit der Songs. Das Finale bildete der gute Auftritt von Percival, bekannt aus der TV-Sendung „Voice of Germany“. Er kann nicht nur rocken, sondern beherrscht auch die Sparte Chanson, gar nicht so einfach. Percival hat am Broadway sein Handwerk gelernt, also singen und tanzen, und ist mit einer markanten Stimme ausgestattet. Er lebt und spürt die Musik, was man nicht übersehen kann, fühlt sich als ein Kind dieser Welt. Zusammen mit Noah (Klavier), Gaby (Violine) und Veith (Cello) präsentierte er ein ganz feines Programm. Egal ob Songs von Queen, Hildegard Knef, Edith Piaf, Nina Simone oder eigene Songs, es war ein würdiger und feiner Ausklang zum 100jährigen der Stadthalle. Mit „Purple rain“ von Prince entließ er seine Zuhörer nachhause. Dirk Elfgen führte schön durch das Programm. Es war ein sehr würdiger Geburtstag für eine große Dame der Mülheimer Stadtgeschichte. Die Mitarbeiter legten sich mächtig ins Zeug, hatten für jede Frage ein offenes Ohr, bzw. eine kompetente Antwort. Man bekam sehr viele Einblicke, die man als Gast im normalen Betrieb nicht erhält. Datum: 28. Juni 2026 www.stadthalle-muelheim.de |
Festakt und Bürgerfest zu '100 Jahre Stadthalle Mülheim', altes Stellwerk, Foto: Jehle![]() nächstes Foto |
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