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Das Aalto Theater in Essen präsentiert das spannende Tanz-Triptychon „Relations“ mit Werken von Jirí Kylián und Johan Inger. Es geht um Beziehungen, in Stil, in der Tanzsprache, emotionaler Art, zwischen den Menschen oder zum Leben. Jirí Kylián prägte drei Jahrzehnte lang das Nederlands Dans Theater, kreierte über 100 Choreografien. Johan Inger war selbst noch als Tänzer unter ihm aktiv. Auch da besteht eine wichtige Beziehung dieses Abends. In den Stücken lässt sich eine gewisse Entwicklung Jirí Kyliáns und seinem Zögling Johan Inger erkennen. Den Anfang macht Jirí Kylián mit zwei Choreografien. In „Forgotten Land“, entstanden 1981, geht es um Tot und Sterben. Die musikalische Auftragskomposition der japanischen Regierung von Benjamin Britten sollte 1940 allerdings nicht aufgeführt werden, erst später in den USA. Er widmete sie schließlich seinen verstorbenen Eltern. Inhaltlich thematisiert Kylián tänzerisch die Stärke des Meeres und nimmt sich sich dabei auch das Gemälde „Tanz des Lebens“ von Edward Munch zu Hilfe. Dargestellt werden drei Frauen, jung, in der Blüte des Lebens und etwas älter, entsprechend auftretend in weißem, rotem und schwarzem Kleid. Insgesamt sechs Paare treten klassisch auf. Das Tempo variiert zwischen ruhig und durchaus schnell. Man stellt Gefühle in den Mittelpunkt. Die Arbeit „Sleepless“ von Jirí Kylián stammt aus dem Jahre 2004. Es dreht sich thematisch um die Übergänge von wachen und schlafen. Der Einschlafprozess ist verbunden mit Fantasien, Träumen oder Gedanken. Sie lassen uns zu oft nicht ruhen. Die Übergänge werden von sechs TänzerInnen dargestellt, zur Musik von Dirk Haubrich, nach Vorlagen von Wolfgang Amadeus Mozart. Es sind mystische und meditative Klänge einer Glasharmonika, die im 18. Jahrhundert erst populär und später verboten wurde. Sie würde die Menschen in den Wahnsinn treiben. In Essen sind die Klänge durchaus sehr passend, wahnsinnig schön. Auch hier ist die Kunstgeschichte zum Vorbild geworden. Das Gemälde „Venice was all in gold“ von Lucio Fontana prägt mit seinem von einem Messer stammenden Schlitz das Bühnenbild, eine Wand mit acht Schlitzen, durch die man von der Realität ins Unsichtbare wechseln kann. Sehr fein bewegen sich die TänzerInnen dazwischen, stets mit besonderen Momenten, Zeitlupenszenen und Humor. Das Licht passt ebenfalls sehr gut und alles ist auf den Punkt zeitgenössisch getanzt, ein wirklich außergewöhnliches und gelungenes Stück. Klasse ist ebenso „Walking Mad“ (2001) von Johan Inger, sein internationaler Durchbruch. Hier werden Stationen des Lebens dargestellt. Es wird gefeiert und getanzt. Aber auch die traurigen oder zweifelnden Momente spielen eine Rolle. Es ist eine Choreografie der Gegensätze. Während sich der „Bolero“ von Maurice Ravel langsam immer höher schaukelt, erklingen am Ende leise Klavierkompositionen von Arvo Pärt. Das Bühnenbild besteht aus einer Wand mit vier Türen. Man kann sie erklimmen oder auf den Boden legen. Sie wird von den TänzerInnen über die Bühne bewegt. Es ist erstaunlich, wie man eine einfache Holzwand auf Rollen tänzerisch sehr variabel bespielen kann. Die Handlung wird begleitet durch pantomimische Schauspielelemente. Johan Inger war am wunderschönen Premierenabend in Essen persönlich anwesend. Das Publikum spendete stehende Ovationen. Datum: 18. April 2026 www.theater-essen.de |
Ballett 'Relations' im Aalto Theater Essen, Foto: Bettina Stöß![]() nächstes Foto |
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