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Musical 'On the Town' von der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg
Die Deutsche Oper am Rhein präsentiert in Duisburg grandios das Musical „On the Town“, das Erstlingswerk des jungen Leonard Bernstein von 1944, vermischt dargestellt in deutscher und englischer Sprache, mit deutschen Übertiteln.

Ein ganz besonders wichtiger Baustein für diese Inszenierung ist die Regisseurin Louisa Proske. Sie ist Deutsch-Amerikanerin und in beiden Kulturkreisen permanent zuhause. Neben ihrem festen Engagement in Halle/Saale arbeitet sie häufig auch in New York, wo das Musical spielt. Ihre Verbundenheit mit dieser Weltmetropole merkt man der Inszenierung deutlich an. Es ist ein 24-Stunden-Trip durch New York mit touristisch bekannten und weniger bekannten Örtlichkeiten. Es geht in die Clubs der Stadt, ins Private, mit der Metro durch den Untergrund, ins gelbe Taxi, hinein in die hohen Straßenschluchten, ins Museum oder in die Vororte der Reichen. New York ist mehr als das Empire State Building, die Lady Liberty oder der Hudson.

Die Geschichte ist einfach. Drei junge US-Matrosen werden 1944 Richtung Europa verschifft, ab in den Zweiten Weltkrieg. Zuvor gönnt man ihnen noch einen freien Tag in New York. Zwölf Millionen junge Soldaten gingen damals diesen Weg in der US-Army. Der Krieg war ein gesellschaftliches Thema und die Stadt voll mit Soldaten. Gabey (Leon de Graaf), Chip (Julius Störmer) und Ozzie (Peter Lewys Preston) wollen diese letzten 24 Stunden ausgiebig nutzen, Mädels kennenlernen oder die Kultur genießen. Als Gabey in der Metro ein Plakat mit der „Miss U-Bahn“, Ivy Smith (Maria Joachimstaller), entdeckt, muss er sie finden, Die anderen beiden helfen ihm, laufen quer durch die Stadt und lernen dabei selbst Mädels kennen, die Taxifahrerin Hildy (Laura-Magdalena Goblirsch) und die Anthropologin Claire (Valerie Luksch). Hier erkennt man bereits, dass es sich nicht um kein typisches „Ich liebe dich“ US-Musical im High-School-Format handelt. Viele Ortswechsel, turbulente und romantische Szenen, melancholische Momente im New Yorker Regen, sowie die Einsamkeit in der großen Metropole und ihre Lebensfreude prägen fortan die Geschehnisse.

Alle kennen ihre zur Verfügung stehende Zeit, wissen dass dieser Tag ihnen nur flüchtige Momente bieten kann. Sie versuchen sie möglichst für sich zu nutzen, bevor man sich wieder trennen muss. Es gibt witzige Momente zum Schmunzeln, z.B. das Ballett der Urmenschen im Naturkundemuseum, wo später ein großer Dinoschwanz zu Boden kracht. Der Richter bleibt ein ewiger Versteher, deutet nebenbei seine homosexuelle Ader an. Eine sehr extrovertierte Gesangslehrerin bangt sie um ihre Gage und eine kalte Wissenschaftlerin ist mit heißem Blut ausgestattet. In den Clubs geht es hoch her. Fantasie trifft aber auch auf Realität. Ein US-Soldat in blutigem Outfit erinnert zwischendurch mal an die Pflicht. Gedanken werden so bildhaft dargestellt.

Die lebendig-frische Inszenierung wirkt sehr abwechslungsreich. Obwohl in Kriegszeiten eher ein nationales Denken den Alltag bestimmt, legt man die Konzentration auf Lebenslust und Vergnügen. Frauen sind hier die wahren Hauptfiguren. Sie stillen ihr Verlangen an den Jungs und wickeln sie selbst am Verlobungsabend um den Finger. Ivy, die den Künsten verfallen ist, verdient ihr Geld notgedrungen als halbseidenes Girl in Clubs. Alle sind moderne, selbstbestimmte Frauen. Die Männer sind im Krieg. Sie müssen selbst im Alltag anpacken.

So richtig echte Höhepunkte gibt es natürlich. Laura-Magdalena Goblirsch gibt als Taxifahrerin Hildy eine ausgezeichnete Figur ab. Leon de Graaf tanzt als moderner Vamp im Charlie-Chaplin-Stil so wunderbar auf Coney Island, vielleicht die beste Szene des Abends. Valerie Luksch drückt ihre Leidenschaft für die jungen Männer musikalisch sehr gut aus. Man könnte so viele Momente positiv hervorheben.

Insgesamt gesehen hört man wirklich gute Stimmen, teilweise klassisch ausgebildete Opernstimmen, wie beim Richter (Peter Bording). Die Rollenbesetzung ist ein Genuss. Die Duisburger Philharmoniker zaubern exzellent den US-Sound der 1940er Jahre in den Saal, mit jazzigen Klängen und Rhythmus, voller Lebensfreude. Man fühlte sich tatsächlich in das damalige New York versetzt. Der junge Bernstein hat mit seinen Freunden in sechs Monaten wirklich Großes erschaffen, 13 Jahre vor seinem großen Erfolg mit der „West Side Story“. Er brannte für den Stoff, was man merkt. Warum wird dieses klasse Musical nur so selten inszeniert? Die musikalische Leitung in Duisburg hatte Stefan Klingele.

Hervorzuheben ist die sensationell gute Bühne (Momme Hinrichs) mit ihren verschiedenen, senkrechten Ebenen. Sie bilden Ausschnitte und Raum für klasse animierte Projektionen. Das Big City Life ist ein optischer Genuss. Gleiches gilt für die klasse Kostüme (Esther Bialas) und die erstklassige Choreografie.

Man sollte sich übrigens das Programmheft unbedingt besorgen. Es enthält gute Hintergrundinfos und Interviews.

Welcome to Broadway! Es ist ein Musical zum Verlieben. Für diese Liebeserklärung an New York gibt es ausnahmsweise mal alle drei G's: grandios, großartig und genial. Der Faktor Gänsehaut ist ebenso erwähnenswert, also insgesamt elf von maximal zehn Punkten. Das Premierenpublikum war restlos begeistert.

Datum: 25. April 2026

www.operamrhein.de

Musical 'On the Town' von der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg, Foto: Jochen Quast

Musical 'On the Town' von der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg

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