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Abseits gängiger Kunstrouten wartet die im südwestlichen Teil Brandenburgs gelegene Region Fläming mit bemerkenswerten architektonischen Denkmälern auf. Besonders die verschiedenen Arten des Umgangs geben viele Anregungen auch für ähnliche Vorhaben im Ruhrpott. Es sind Inspirierende neue Nutzungen prägender Orte der Kunstgeschichte. Den verheerenden Zerstörungen durch Unwetter und Fluten im niederländischsprachigen Landesteil Belgiens überdrüssig, verließen viele der dort ansässigen Flamen im 12. und 13. Jahrhundert ihre Heimat. Auch weil ihre Talente als Deichbauer gefragt waren, waren sie im Zuge der beförderten Ostansiedlung im südwestlichen Teil des heutigen Landes Brandenburg willkommen. Im 19. Jahrhundert bürgerte sich für die von sanften Höhenzügen durchsetzte Landschaft der Name „Fläming“ ein. Drei mal so groß wie das Saarland und halb so groß wie Thüringen, besticht die bis nach Sachsen-Anhalt hinein reichende Region südwestlich von Berlin durch eine anmutige weite Hügellandschaft mit kleinen, um Feldsteinkirchen errichteten Orten. Tatkraft, Ideenreichtum und Kreativität prägten von jeher den Pioniergeist der hier angesiedelten Menschen. Dies beförderte die Ansiedlung von Unternehmen. Gerade mal elf Kilometer misst der Weg von der Berliner Stadtgrenze nach Ludwigsfelde, wo 1936 die Daimler-Benz-Flugmotorenwerke errichtet wurden, die zur Zeit der DDR als “VEB IFA Automobilwerke“ tausende Arbeiter beschäftigten. Dazu wurde zwischen 1952 und 1955 in Formen der „Nationalen Bautradition“ eine sozialistische Wohnstadt errichtet. Heute sind die in traditioneller Mauerwerksbauweise errichteten dreigeschossigen, nach einem städtebaulichen Konzept von Karl Gottfried Pust und Entwürfen von Willm Stolze ausgeführten Wohnbauten im Dichterviertel rund um den Heinrich Heine Platz als Flächendenkmal ausgewiesen. Die Fassadenreliefs der klassizistisch inspirierten Architektur schuf der Bildhauer Waldemar Grzimek. Pulsierendes Punkt im 1965 zur Stadt erhobenen Ludwigsfelde war allerdings das Klubhaus. Von den seinerzeit in der DDR errichteten rund 8.000 Klub- oder Kulturhäusern, letztere wurden von der Stadt, erstgenannte von einem Werk betrieben, haben sich lediglich 80 bis 100 erhalten. Auch der im Oktober 1959 eröffnete, nach Plänen des Berliner Architekten Erich Wachlin gestaltete Bau in Ludwigsfelde blieb erhalten. Als zentraler Ort für Jugendweihen, Ausstellungen, Betriebs- oder Parteiversammlungen, Bälle oder Abiturfeiern stand er für die Doktrin eines sozialistischen Kulturmodells der Verflechtung von Spielstätten mit der Industrie. Nach der Wiedervereinigung von der Stadt übernommen und 1998 als Denkmal eingetragen, konnte der Bau bis 2014 umfassend saniert und technisch angepasst werden. Der Weg in den streng achsial gegliederten Putzbau mit Walmdach führt durch das im vorgezogenen Flügel verortete und von einer Werksteinverkleidung betonte Portal in die repräsentative Eingangshalle mit rotem Marmorfußboden. Historische Holzverblendungen, Marmor- und Parkettböden, Heizkörperverkleidungen, Marmortresen oder Verglasungen lassen Anspruch und Geist des Hauses spüren. Hingucker ist besonders das große farbige Treppenhausfenster mit dem von Pablo Picasso entlehnten Sujet der Friedenstaube in der Mitte, während nach 1989 Staats-und Partei-Insignien entfernt werden mussten. Angrenzend liegt der bis zu 650 Plätze bietenden Saal mit großer Bühne und Orchestergraben. Einen Kultstatus besitzt die Flamingo-Bar. Auf einer Säule erscheint der majestätische Großvogel als symbolische Verbindung zum damals aufstrebenden Flugzeugbau, welcher zudem zum romantischen Flair der mit einem palmenartig gebogenen Kapitell exakt passt. Es ist erfreulich, dass das Haus weiterhin in seiner ursprünglichen Funktion als multifunktionaler Veranstaltungsort dienen kann. Wie höchst unterschiedlich Konzepte für den künftigen Umgang mit einprägsamen Bauten sein können, zeigt sich im ausgedehnten Ensemble der ehemaligen Heilstätten Beelitz. Rund 50 Kilometer von Berlin entfernt an der Bahnstrecke nach Dessau gelegen, wurde ab 1898 in Pavillonbauweise eine Lungenheilstätte für tuberkulosekranke Berliner Arbeiter errichtet. Zunächst nach Plänen des renommierten Architekten Heino Schmieden begonnen, wuchs im Laufe der Jahrzehnte auf einem Areal von 200 Hektar mit 68 Gebäuden in einer ausgedehnten Parkanlage eines der größten Krankenhauskomplexe überhaupt heran. Nach dem zweiten Weltkrieg diente es bis 1994 als zentrales und größtes Krankenhaus der russischen Truppen im Ausland. Danach verkam das Gelände zu einem „Lost Place“, wurde von Materialjägern ausgeraubt und von der Natur überwuchert. Bis heute zeigt es sich zweigeteilt: Östlich der Landstraße erstreckt sich das ehemals Frauen vorbehaltene Areal, westlich davon bestand die Abteilung der Männer, in der so prominente Personen wie Adolf Hitler oder Erich Honecker Genesung suchten. Für das Areal der Frauen konzipierte ein privater Investor und Eigentümer ein höchst spezielles Konzept der Musealisierung. Nach der Rodung des Areals und der Entsorgung von 15.000 Kubikmeter Schutt wurde ein 700 Meter langer und bis zu 23 Meter hoher „Baumkronen- und Zeitreisepfad“ aus Stahlträgern errichtet, der einzigartige Einblicke auf die einen Charme alter Schlösser ausstrahlenden Bauten und den Biotop aus 65 Baum- und Straucharten bietet. Aber auch über die Verbindungsstraßen kann man das Gelände erschließen. Sie blieben stets eis- und schneefrei, da unter ihnen ein fünf Kilometer langes Tunnelnetz zu allen Häusern mit den Versorgungsleitungen für Heizung, Strom und Wasser besteht. In Etappen werden nun die einzelnen Bauten behutsam instand gesetzt, damit sie ihren Zauber für die nächste Generation bewahren können. Spezielle Touren gestatten Innenbegehungen der gelb verputzten, pittoresken Ziegelbauten mit den roten Fenster- und Türumrahmungen aus Backstein. Überall frappieren die großen Dimensionen und die kleinteilige wie sorgfältige Ausgestaltung der Räume und Säle. Im Küchenraum der Kochküche besticht neben dem offenen Herd mit großen Abluftanlagen die hygienisch einwandfreie wie aufwändige Verklinkerung mit glasierten Ziegeln. Auch im ehemaligen Frauenhaus haben sich künstlerisch aufwendig ausgearbeitete Verzierungen erhalten. Knospenkapitelle schmücken Säulen der offenen Loggien, profilierte Gesimse, Buntglasfenster, Gewölbedecken, geschliffene Granitsäulen zeigen in den hohen langen Fluren, Badesälen oder Gängen, mit welcher Sorgfalt und und Liebe zur Architektur die Gestaltung vorgenommen wurde. In der größtenteils von der Natur überwucherte Ruine des einst 273 Betten Platz bietenden Alpenhauses dominiert der einstige riesige Speisesaal mit Empore für die Aufseher. Anders verhält es sich mit dem einst Männern vorbehaltenen westlichen Areal. Große Freiflächen werden derzeit mit ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut, alte erhaltenswerte Bauten wie das ehemalige Verwaltungsgebäude nehmen Eigentumswohnungen auf. Der markante Wasserturm mit der markanten Fachwerkkanzel, Zwerchhäusern und hohem Zeltdach samt angrenzenden Heizkraftwerk mit erhaltener historischer Technik im Maschinensaal sind als technische Denkmäler erhalten und zu besichtigen. Nach Jahren des Leerstandes zog nun auch neues Leben in das mehr als großzügig dimensionierte alte Badehaus ein. Wo einst Licht und Wasser Teil der Therapie waren, kann man heute in eine aus Licht, Klang und Projektionen kreierte Medienwelt eintauchen. Unter dem Begriff NEBULA öffnet sich unter der Kuppel des historischen Badesaals nun eine neue visuelle Welt. Behutsam wurde mit 16 Projektoren und 32 Lautsprechern auf 960 Quadratmetern modernste Medientechnik in die historische Architektur integriert, in der sich nun eine der größten dauerhaft bespielte Medieninstallation der Region eröffnet. In weiteren Räumen werden künftig ortsspezifische Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Technologie entwickelt, welche den Ort mit Licht, Klang, Projektion und digitalen Medien neu erfahrbar machen werden. Nicht übergehen sollte man die Stadt Luckenwalde, in der der bedeutende Architekt Erich Mendelsohn mit der Hutfabrik der Firma Friedrich Steinberg Herrmann & Co. eine Inkunabel des Expressionismus hinterließ. Nicht minder von Bedeutung ist das 1913 errichtete E-Werk. Als Kohlekraftwerk produzierte es bis 1989 Strom, stand dann 30 Jahre lang leer und ging 1919 in der Form eines regeneratives Kunststrom-Kraftwerk wieder ans Netz. Als weltweit einziger Energieversorger, der Kunststrom produziert und liefert, bietet es eine originelle Form von erneuerbarer Energie an, die durch zeitgenössische Kunst erzeugt wird. Gleichzeitig tritt das viergeschossige Ensemble aus Vorderhaus, Turbinenhalle und Kesselhaus als Zentrum für zeitgenössische Kunst auf, welches Werkstätten, Ateliers und die 350 Quadratmeter große Turbinenhalle als Veranstaltungs- und Ausstellungsort bietet. Treibende Kraft des vielfältigen Programms ist der Performancekünstler Paolo Wenzel. Noch im Gange ist die Revitalisierung des benachbarten, vom E-Werk energietechnisch mit versorgten alten Stadtbades von Luckenwalde, ein nach Plänen des Siemens-Hausarchitekten Hans Hertlein im Jahre 1928 eröffnetes Haus im Stil des Expressionismus. Seit 1990 ungenutzt, wird das Innere derzeit auf die künftige Funktion als Kultur- und Kreativzentrum behutsam umgebaut. Text und Fotos: Hans-Peter Schwanke Datum: 4. August 2026 www.klubhaus-ludwigsfelde.de intonebula.com baumundzeit.de www.kunststrom.com |
Pressereise: Region 'Fläming' in Brandenburg, Altes Stadtbad Luckenwalde, Außenansicht, Foto: Hans-Peter Schwanke![]() nächstes Foto |
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