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Mit einer Lesung zu seinem „Lovely Rita“ gastierte Ruhrgebiets-Kultautor Frank Goosen in der Kleinkunstbühne Meiderich. Sehr unterhaltsam widmete er sich dabei der sterbenden Kneipenkultur im Pott. Es war erst seine zweite Lesung zu seinem neuen Buch. Der seit 30 Jahren existierenden Kleinkunstbühne Meiderich ist er seit Jahrzehnten verbunden, kommt immer wieder gerne und weiß woher er kommt, im Gegensatz zu anderen Größen der Szene. Hier treten regelmäßig bundesweit bekannte Humoristen auf. Goosen sieht sich selbst als Geschichtenerzähler, weiß aber auch, dass unter dem Oberbegriff Kabarettist mehr Besucher seinen Worten lauschen. Mit seinen bald 60 Lenzen hat er nichts an seiner geschickten Beobachtungsgabe eingebüßt. Kneipen waren ein wichtiger Kitt im Pott, der Menschen am Tresen zusammenführte. Hier tauschte man das Neuste aus oder ließ Themen bierselig entgleiten. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Echte, urige Kneipen existieren kaum noch. Genau dieses Phänomen nimmt er zum Anlass für diese fiktive Kneipe namens „Haus Himmelreich“, die 1971 von Wirtin Rita übernommen wurde und irgendwann ihren letzten Tag feuchtfröhlich feierte. Viele verschiedene Charaktere gingen aus und ein, schenkten der Wirtin gierige Blicke oder merkten manchmal auch nicht, was für ein seltsamer Typ sie waren. Goosen stellt dabei die alte von Männern geprägte Kneipenkultur einer weiblichen Alternative gegenüber. So war Ritas Schwester Chris einst ein Model und in München zuhause. Sie hat sich einen Weg fern des Ruhrgebiets gesucht. Ok, Goosens Bayerisch ist auf der Bühne ausbaufähig, aber der zeitgemäße Schweif nach Süden ist wichtig für diese Geschichte. Frank Goosen sucht seine Figuren gerne im Alltagsgeschehen, z.B. auf dem Parkplatz vom Kaufland in Bochum-Hofstede. Dort muss er nur hinschauen und zuhören. Draußen erkennt man ihn da nicht, nur die Fachverkäuferin hinter der Wursttheke erkannte ihn und bemängelte seine zu korrekte und nicht im Pott übliche Aussprache von Roastbeef. Datt heißt hier „Rostbeff“. Hinzu kommen Filme und Serien wie „Kir Royal“, die ihn inspirieren. Die Namen der Figuren stammen nicht selten aus Todesanzeigen. Selbst interessante Reaktionen aus seinem Social-Media-Auftritt fließen da ein. Zu überspitzt darf eine Figur allerdings nicht sein, auch wenn es diese real gibt. Es sind immer wieder die Tresengespräche, die für den wunderbar trockenen Humor in diesem Buch sorgen. Rhetorisch geschliffen kann man sich anderswo unterhalten. Hier geht es um verpasste Chancen bei Frauen, diverse Bierleitungsreiniger oder die schrecklichen Spiegelfliesen im Bad, die Goosens Vater tatsächlich auch verlegt hat. Hier und da fließen biografische Züge mit ein. Natürlich darf auch der Kondomautomat auf dem Herren-WC nicht fehlen. Verena, die junge Tochter von Chris, die bei Rita aufwächst, möchte unbedingt wissen, wozu die gut sein sollen. Geraucht werden sie in der Kneipe jedenfalls nicht. Sie stellt als Grundschülerin einige interessante Fragen, die Erwachsene nach Worten ringen lassen. Ohne Fußball kann keine Goosen-Lesung enden. Er ist nicht nur VfL-Fan durch und durch, sondern wünscht sich auch die Oberliga West von 1957 zurück. Da Schalke und Bochum seiner Meinung nach nicht aufsteigen, bzw. Rot-Weiß Essen und der MSV Duisburg in die 2. Liga aufsteigen könnten, wäre das möglich. Lediglich beim MSV ist er sich da nicht so sicher. Sein Zögern ließ doch Zweifel erkennen. Es war ein sehr unterhaltsamer und humorvoller Abend in der Aula der Gesamtschule Meiderich (Centrum Westende), die eine sehr geeignete Kleinkunstbühne mit nettem Publikum und guter 80er-Musikuntermalung ist. Sogar sogenannte VIP-Tische mit edlem Pott-Charme lassen sich hier buchen, eine freundliche Bedienung inklusive. Klasse! Rund 300 Leute haben hier Platz. Am 19. März steigt dort erstmals ein Rudelsingen. Datum: 19. Februar 2026 kleinkunstbuehne-meiderich.de |
Lesung von Frank Goosen in der Kleinkunstbühne Meiderich, Foto: Jehle![]() nächstes Foto |
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