abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Komödie 'Kalter weißer Mann' im Theater an der Kö in Düsseldorf
Mit „Kalter weißer Mann“ bringt das Theater an der Kö in Düsseldorf eine Komödie auf die Bühne, die ein sehr aktuelles Thema behandelt. Soll man gendern oder nicht? Es ist ein Kampf der Generationen.

Der Firmemchef ist mit 94 Jahren sanft entschlafen. Einige Mitarbeiter versammeln sich in der Trauerkapelle und warten auf den Geistlichen, der auch bald da ist. Alles ist vorbereitet, der Sarg, die Blumen und die Schleife. Auf der steht „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ geschrieben. Was den vermeintlich neuen Geschäftsführer Herr Bohne (René Heinersdorff), jahrelang die Nummer zwei im Unternehmen, nicht stört, lässt die jungen Mitarbeiterinnen aufbrausen. Sie sind ja überhaupt nicht erwähnt. Kann man nicht ein „Innen“ oder ein Gendersternchen hinzufügen. Es kommt zum heftigen Streit von Alt und Jung. Die karriereorientierte Co-Geschäftsführerin Alina (Mareike Haas) und auch die junge Praktikantin Kim (Hannah Marie Bahlo), eine Studentin und Influencerin für vegane Reisen, spielen sich mächtig auf. Selbst die Social Media-Abteilung (Eric Haarhaus) muss die Trauerfeier unbedingt live im Web übertragen, um Likes zu generieren, und und prompt einen Shitstorm auszulösen. Alles läuft aus dem Ruder. Wie viel politische Correctness muss es wirklich sein? Es geht um Sexismus, Gendern, Wokeness oder die Work-Live-Balance.

Die Trauer über den Tod hält sich jedenfalls in Grenzen, als Trauerlied wird „Freude schöner Götterfunken“ gespielt und eigentlich geht es nur noch um die eigene Meinung, die bis aufs Blut verteidigt wird. Na ja, der Alte war kein Engel im Umgang mit seinen Untergebenen, hat sogar einige Sekretärinnen geheiratet. Es scheint, als würde man Herrn Bohne vor ein Tribunal zerren. Verbal und verhaltenstechnisch greifen alle mal daneben. Hier mal ein Essen mit einer untergebenen Person im Restaurant, was bewusst falsch verstanden wird, da ein lapidarer Spruch zu den Hottentotten. Eine betriebsinterne Beziehung kann, wenn sie scheitert, auch böse nach hinten losgehen. Im Firmenalltag lauern so viele Fallstricke, dass man ihnen kaum entgehen kann. Wer hat mit seiner Meinung eigentlich wirklich recht und warum? Muss man jedes Wort auf die Goldwaage legen? Da ist Toleranz gefragt. Am Ende greift die Sekretärin Rieke (Dana Golmbek von Senden) ein, die hier sonst eher zu schweigen hat. Sie hält allen ihre trotzkopfhaftige Borniertheit vor, ihr ach so sauberes Schein-Ich, das auch einige Flecken haben kann. Vielleicht verträgt man sich ja wieder.

Eine besondere Rolle ist der Geistliche, gespielt von Manes Meckenstock. Er würde den alten, verstorbenen Herrn gerne würdigen, doch man lässt ihn erst gegen Ende seines Amtes walten. Er beklagt sich über den Trend, Kirchen nur noch als Fotokulissen zu missbrauchen, fühlt sich nicht mehr ausreichend gewürdigt. Die Sakramente werden doch nur noch als Show angesehen. „Infuenza war früher eine Krankheit.“ So geht er herrlich kabarettistisch, in schönem Rheinisch, die Stationen des Kreuzwegs durch, die prompt von der Jugend mit ihrem Smartphone mehrfach würdelos torpediert werden. Ohne geht es scheinbar nicht mal bei einer Trauerfeier.

Das Stück ist eine sehr schöne Realsatire mit tollen Dialogen, die sich um Themen dreht, die nicht selten ein Diskussionsthema sind. Soll man wirklich den Genderstern setzen, der optisch und gesprochen stets den Satzfluss stört? Für was steht die Abkürzung LGBTQIA+ eigentlich genau? Die wenigsten Menschen wissen es. Der Abend appelliert daran, einfach vernünftig und tolerant zusammenzuleben, ohne auf extreme Positionen zu pochen. Leben und leben lassen, dann klappt das auch.

Übrigens, das Stück wurde als Ersatz für die Komödie „Yes, we camp“ ausgewählt. Dort hätte auch Willi Thomczyk, bekannt aus der TV-Serie „Die Camper“, seine große Rolle gehabt. Er erholt sich gerade von einer Herz-OP. Die Komödie wird nächste Spielzeit nachgeholt. Zur Premiere von „Kalter weißer Mann“ kam er ganz am Schluss kurz auf die Bühne, um ein positives Lebenszeichen zu senden. Bis bald Willi.

Laufzeit: 25. März bis 3. Mai 2026

theateranderkoe.de

Komödie 'Kalter weißer Mann' im Theaater an der Kö in Düsseldorf, Foto: Dennis Häntzschel

Komödie 'Kalter weißer Mann' im Theater an der Kö in Düsseldorf

nächstes Foto