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Wie haben Menschen ihren Platz in einer Welt verstanden, die sie mit Göttern, Tieren und anderen Menschen teilen? Die Ausstellung „Unter einem Himmel: 400 Jahre Götter, Menschen und Tiere in der japanischen Kunst“ widmet sich in der Langen Foundation in Neuss dieser zeitlosen Frage anhand einer Auswahl von Meisterwerken aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen. Über vier Jahrhunderte japanischer Kunstgeschichte hinweg vereint die Ausstellung rund siebzig Werke, darunter Stellschirme, Hängerollen, Querrollen, Skulpturen, Inro, Netsuke und kunsthandwerkliche Objekte. Gemeinsam eröffnen sie Einblicke in eine vielschichtige Bildwelt, in der das Göttliche, das Menschliche und das Tierische nicht als voneinander getrennte Bereiche verstanden wurden, sondern als miteinander verbundene Dimensionen einer gemeinsamen Existenz. Mit höchster handwerklicher Virtuosität und schier endloser Vorstellungskraft schufen japanische Künstlerinnen und Künstler Bilder, die dazu einladen, über die Beziehungen zwischen Natur, Spiritualität und dem alltäglichen Leben nachzudenken. Die Ausstellung beginnt mit einem eindrucksvollen Ensemble von Porträts, in dem buddhistische und shintoistische Gottheiten mit erleuchteten Gestalten des Zen und Darstellungen schöner Frauen in Dialog treten. In der japanischen Porträtkunst war das äußere Erscheinungsbild stets nur ein Teil der Aussage. Gesichtszüge, Gesten, Kleidung und Attribute konnten den moralischen Charakter, die spirituelle Erkenntnis, die gesellschaftliche Stellung oder zeitgenössische Schönheitsideale zum Ausdruck bringen. Diese Werke sind daher weit mehr als Darstellungen einzelner Personen: Sie spiegeln die Werte und Vorstellungen ihrer jeweiligen Zeit. Anschließend erwartet die Besucherinnen und Besucher eine faszinierende Menagerie realer und imaginärer Wesen. Von majestätischen Falken und schelmischen Affen bis hin zu kraftvollen Löwen und exotischen Elefanten nehmen Tiere einen zentralen Platz in der japanischen Bildkultur ein. Sie erscheinen nicht nur als dekorative Motive, sondern auch als bedeutungsvolle Akteure innerhalb einer gesellschaftlichen und spirituellen Ordnung: als Boten der Gottheiten, Wächterfiguren, Glückssymbole oder Protagonisten von Erzählungen und Legenden, die über Generationen hinweg überliefert wurden. In ihrer Darstellung lösen sich die Grenzen zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt auf faszinierende Weise auf. Der dritte Ausstellungsraum verbindet die Welten von Mensch und Tier und widmet sich einem der herausragendsten Merkmale der japanischen Kunst: ihrer Freude am Spielerischen. Über Jahrhunderte hinweg setzten Künstlerinnen und Künstler Humor, Parodie und Satire ein, um religiöse Lehren, moralische Botschaften und gesellschaftliche Kommentare zu vermitteln. Furchteinflößende Wesen werden durch Überzeichnung zu liebenswerten Gestalten, während heilige Figuren durch sanfte Karikatur überraschend menschlich erscheinen. Hinter dem Humor verbirgt sich ein differenziertes Verständnis von der Kraft des Lachens: Es kann unterhalten und belehren und zugleich das Heilige dem alltäglichen Leben näherbringen. In der gesamten Ausstellung begegnen die Besucherinnen und Besucher der außergewöhnlichen Erfindungsgabe japanischer Maler und Kunsthandwerker, die vertraute Themen und Bildtraditionen immer wieder neu interpretierten. Ob ehrfurchtgebietende Gottheiten, berühmte historische Persönlichkeiten oder bezaubernde Tiere, überlieferte Motive wurden in immer neuen, faszinierenden Variationen zum Leben erweckt. Unter einem Himmel zeichnet so das eindrucksvolle Bild einer Weltanschauung, in der das Heilige und das Alltägliche, Mensch und Tier, das Komische und das Erhabene in ständigem Austausch miteinander standen. Die Ausstellung spannt den Bogen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert und zeigt, wie Generationen japanischer Künstlerinnen und Künstler ein Universum entwarfen, das nicht von Trennung, sondern von Verbundenheit geprägt war. Indem Unter einem Himmel diese unterschiedlichen Facetten zusammenführt, lädt die Ausstellung dazu ein, über eine zeitlose Frage nachzudenken: Was bedeutet es, Teil einer größeren Gemeinschaft von Lebewesen zu sein, die alle unter demselben Himmel leben? Laufzeit: 11. Oktober 2026 bis 11. April 2027 langenfoundation.de |
Ausstellung 'Unter einem Himmel' in der Langen Foundation Neuss, Foto: Langen Foundation![]() nächstes Foto |
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