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Das Schlosstheater Moers präsentiert ausgezeichnet das Stück „Der Reichtum“ des griechischen Dichters Aristophanes aus dem Jahre 388 v. Chr.. Die schöne Komödie, immerhin 2.400 Jahre alt, ist noch immer hochaktuell. Ist der Kuchen gerecht verteilt? Regie führte Co-Intendant Jakob Arnold. Das mit dem Geld ist so eine Sache. „Im antiken Griechenland galt jeder Mensch, der durch körperliche Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen müsste, als arm, und jeder, der nicht arbeiten musste, als reich. ...“ (Zitat aus dem Programmheft, Philipp Lepenies, Armut). Natürlich gab es Sklaverei. Reichtum ist der Grund, warum Leute Menschen zu Sklaven machen, ist der Grund für Misstrauen. Wer anständig ist hat wenig Geld, denn Reichtum beruht oft auf maßloser Gier und krummen Geschäftspraktiken. Chremylos (Matthias Hesse) könnte so einer sein. Er kann sich zumindest seinen Sklaven Karion (Linus Ebner) leisten, bezeichnet sich allerdings etwas fragwürdig als arm. Also auf zum Orakel in Delphi. Was läuft in der Welt schief? Es bestätigt seine These. Die Botschaft lautet, er soll dem ersten Folgen, der ihm auf dem Rückweg nach Athen begegnen. Dabei läuft er einem arm aussehenden Bettler hinterher. Der entpuppt sich als Plutos, der Gott des Reichtums, der allerdings blind ist, um entscheiden zu können, wer gut und rechtschaffend ist. Um zugunsten Chremylos in Aktion treten zu können muss er wieder sehen können. Der Kuchen wird zu Beginn im Publikum herum gereicht, doch nicht jeder bekommt sein Stück ab, nur ausgewählte Gäste. Wie möchte man es hinbekommen, dass jeder reich ist. Reichtum hält ewig, so die Hoffnung, doch ewiges Wirtschaftswachstum gibt es nicht. Da tritt die Armut (Catherine Elsen) auf den Plan. Sie warnt. Wenn alle reich wären, wer würde dann noch arbeiten? Wer backt das Brot, wer ist als Bauer tätig und wer als Koch oder Schmied? Ein ausgezeichnet dargestelltes Schweinchen als Symbol für die da ganz unten grunzt humorvoll am Rande. Es wird später mariniert und gegrillt. Den Rahmen ergänzen eine spannende Instrumentierung von Franz Leander Klee mit weitgehend unbekannten Instrumenten sowie passende Kostüme von Christian Blechschmidt. Die Wunderheilung des blinden Gottes des Reichtums funktioniert. Er verteilt das Geld an die Rechtschaffenden. Allerdings wollen alle zu den Guten gehören, niemals korrupt oder betrügerisch gewesen sein. Wann gilt man als rechtschaffend? Es gibt keine klaren Regeln. Wer darf sich fortan zu den Reichen zählen und wer nicht? Willkürliches Handeln ist die Folge. Schlemmen ist erwünscht, große Teller volle Früchte, als Zeichen von Realitätsferne und Maßlosigkeit. Ein wahrloses Glöckchen-Bimmel-Spiel mit stets unsicherem Ausgang dokumentiert, wie schwierig Gerechtigkeit ist. Selbst die Stadtverordnete (Clra Pinheiro Walla) geht leer aus. Es ist eine unterhaltsame Interaktion mit dem Publikum. Wer ist es würdig, von Plutos in den Club der Reichen aufgenommen zu werden? Selbst Hermes, der Gott der Diebe und Halsabschneider, fällt durch. Daumen hoch und Daumen runter. Herrlich ist das gesanglich sehr gut interpretierte „Goldfinger“-Solo von Catherine Elsen. Nach der Pause zeigt sich ein verändertes Bild, der Reichtum hat sie optisch verändert. Eine goldene Bühne und Luftballons und edle Klamotten bestimmen das Bild. Der Sklave und sein Herr tragen Fliege. Es folgt ein rhetorischer wunderbarer und moderner Podcast zwischen dem Reichtum und der relativen Armut. Man bekommt Tipps der skrupellosen und nur wenigen verständlichen Geldvermehrung auf dem Finanzmarkt. Sie stellen ihr neues Buch vor, umgeben von paradiesischen Zustände, göttlicher Himmelsnebel und einem Glitzervorhang. Am Traum von Reichtum hat sich 2.400 Jahre nichts verändert. Innen arm und außen reich, den innen regiert oft Leere. Armut sollte man in der Seele akzeptieren und sich wertvoll fühlen. Gebetsähnliche Passagen tauchen immer wieder auf. Im Rausch des Reichtums werden frühere Reiche arm und bedeutungslos, Zeus und die Götter abgeschafft. Nur Plutos darf als Gott bleiben und wirken, eine Party mit offenem Ausgang und vielen Fragen. Das sehr gutes Ensemble überzeugt schauspielerisch auf ganzer Linie. Die mindestens zweieinhalb Stunden sind hundertprozentig unterhaltsam, eine göttliche Komödie, die in der Gesellschaft inhaltlich leider sogar noch stärkere Auswüchse zu bieten hat. Datum: 26. September 2026 schlosstheater-moers.de |
Schauspiel 'Der Reichtum' im Schlosstheter Moers, Foto: Jakob Studnar![]() nächstes Foto |
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