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Oper 'Francesca da Rimini/Gianni Schicchi' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen präsentiert den sehr gegensätzlichen Opern-Doppelabend „Francesca da Rimini/Gianni Schicchi“, zwei Einakter von Sergej Rachmaninow und Giacomo Puccini.

Beide Komponisten bedienten sich als Grundlage bei der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieris „La Commedia“. Sergej Rachmaninow mochte es 1906 eher düster und tragisch, während Giacomo Puccini es humoristisch sah und eine Familienkomödie als Oper mit einem Happy-End versah. Beide Kurzopern, von je ca. einer Stunde, spielen im gleichen Bühnenbild, lediglich um wenige Details verändert.

Bei Rachmaninow dreht sich in „Francesca da Rimini“ alles um Eifersucht, enttäuschte Liebe, das Patriarchat und schließlich um einen Femizid. Die Handlung ist einfach. Francesca (Susanne Serfling) hat Lanciotto Malatesta (Simon Stricker) geheiratet, liebt jedoch dessen Bruder Paolo (Nenad Cica). Lanciotto stellt sie mit seiner angeblichen Abwesenheit auf die Probe. Die Falle schnappt zu. Francesca und Paolo liegen sich in den Armen, was Lanciotto nicht ungestraft lässt. Es passiert das, was in weltweiten Beziehungen noch heute viel zu oft passiert, der Mord an seiner Ehefrau. Die sehr intensive Partitur wirkt extrem energetisch und folgt dem Geschehen ausgezeichnet, mal verliebt verspielt, um dann schnell wieder ins Dramatische zu wechseln. Für sie gibt es keinen Ausweg. Der Hölle auf Erden folgt für sie die wahre Hölle, in der auch andere Frauen zu finden sind, die Gleiches erlebt haben. Es ist ein sehr harter Stoff. Lanciotto sticht mehrmals auf Francesca ein, keine leichte Szene, aber vermutlich leider real in unserer heutigen Gesellschaft. Gesanglich und szenisch ist diese Kurzoper sehr passend dargeboten, sie berührt. Ergänzt wird „Francesca da Rimini“ durch einen Prolog und einen Epilog

Nach der Pause dreht sich das Stimmungsblatt komplett ins Gegenteil. „Gianni Schicchi“ von 1918 ist sehr humorvoll. Der Familienpatriarch ist verstorben. Sein üppiges Erbe hat er einem Kloster vermacht. Das möchte die Familie so nicht hinnehmen. Sie beschließt das Testament listig zu ändern, auch wenn darauf in Florenz darauf das Abhacken der Hand und die Vertreibung aus der Stadt stehen. Gianni Schicchi (Benedict Nelson) nimmt sich geschickt der Sache an, als herrlicher Ruhrpott-Proll im Ballonseidenanzug. Schließlich möchte doch seine Tochter Lauretta (Heejin Kim) ihren Rinuccio (Khanyiso Gwenxane) heiraten. Der Rest der Familie ereifert sich mit schönen Träumen vom neuen Reichtum, bis schließlich der bestellte Notar (Piotr Prochera) erscheint, und Gianni Schicchi seinen listigen Plan in die Tat umsetzt. Auch heutzutage ist so manche Erbsache eher knifflig und von Streitigkeiten geprägt. Es ist ein zeitloser Stoff, der den Abend sehr passend abrundet.

Beide Einakter können auf ihre Art und Weise überzeugen. Die krassen Gegensätze in der Themenwahl sind eventuell für manche vielleicht ein kleines Problem. Wenn man keinen direkten Bezug zueinander erkennen möchte, ist das Switschen nach der Pause kein Problem. Die humorvolle Note lässt sich schnell erkennen. Es begleitet hervorragend die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Giuliano Betta. Für die gelungene Inszenierung ist Manuel Schmitt verantwortlich.

Datum: 31. Januar 2026

musiktheater-im-revier.de

Oper 'Francesca da Rimini/Gianni Schicchi' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, Foto: Pedro Malinowski

Oper 'Francesca da Rimini/Gianni Schicchi' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen

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