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'New Perspective Days' 2026 auf Sylt
Was bleibt von Erfolg, wenn sich die Perspektive verändert? Bei den zweiten New Perspective Days von Vivien Wulf im Lanserhof Sylt sprachen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Spitzensport und Medien über persönliche Wendepunkte, Leistungsdruck und neue Sichtweisen. Mit dabei: Verona Pooth, Arthur Höld, Sabine Lisicki, Tijen Onaran, David Degen und weitere Gäste.

Was bedeutet Erfolg, wenn man ihn bereits erreicht hat? Und wie verändert sich der Blick darauf, wenn aus beruflichen Erfolgen persönliche Erfahrungen werden? Diesen Fragen widmeten sich die zweiten New Perspective Days, zu denen Schauspielerin und Unternehmerin Vivien Wulf vom 11. bis 14. Oktober 2026 in den Lanserhof Sylt eingeladen hatte.

Die Gespräche zeigten, wie unterschiedlich Menschen ihren eigenen Lebensweg rückblickend bewerten: Verona Pooth, die jahrelang mit maximal fünf Stunden Schlaf auskam, stellt die Bedeutung ständiger Leistung infrage. Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki misst ihren Erfolg nicht allein an Titeln, sondern auch an den Hürden, die sie überwunden hat. Und der frühere Regierungssprecher Béla Anda erzählte, was geschieht, wenn mit einer einflussreichen Position plötzlich auch die Aufmerksamkeit verschwindet.

Vier Tage lang sprachen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Spitzensport, Medien und Psychologie über Entscheidungen, Rückschläge und Erfahrungen, die ihre Sicht auf Erfolg geprägt haben – und darüber, welche Perspektiven sich daraus für andere eröffnen.

„Je höher man steigt, desto leiser wird der Widerspruch. Irgendwann ist man von Menschen umgeben, die zustimmen, und genau dort hört Wachstum auf. Auf Sylt saßen Menschen zusammen, die alles erreicht haben, was sich messen lässt. Gesprochen haben sie über das, was sich nicht messen lässt. Für genau diese Augenblicke gibt es die New Perspective Days: wenn Menschen, die es gewohnt sind, Antworten zu geben, wieder anfangen, Fragen zu stellen“, sagte Initiatorin Vivien Wulf über die Idee hinter den New Perspective Days.

Mit dem Format möchte Wulf Menschen zusammenbringen, deren Erfahrungen auch über die Veranstaltung hinaus Wirkung entfalten. „Die Dinge, die unsere Speaker hier sagen, sind so wahnsinnig wertvoll. Die müssen einfach gehört werden.“

Verona Pooth: „Erwachsene müssen ja nicht immer nur Erfolg vorweisen, um jemand zu sein“
Zehn bis fünfzehn Jahre lang reduzierte Verona Pooth ihren Schlaf nach eigenen Worten auf maximal fünf Stunden pro Nacht, um ihre Karriere voranzubringen. „Das ging eigentlich nur, indem ich aus einem Tag zwei gemacht habe“, erzählte die Unternehmerin und Entertainerin.
Umso bemerkenswerter war ihre Haltung zur Bedeutung von Erfolg: „Erwachsene müssen ja nicht immer nur Erfolg vorweisen, um jemand zu sein. Das ist ja nicht das höchste Streben, immer erfolgreich zu sein.“ Entscheidend sei vielmehr, ein Leben zu gestalten, das sich im Gleichgewicht befinde.

Arthur Höld: Was bleibt nach 26 Jahren als „Mr. Adidas“?
26 Jahre lang war Arthur Höld bei Adidas tätig. Heute steht er als CEO an der Spitze des Konkurrenten PUMA. Bei den New Perspective Days sprach er mit Gastgeberin Vivien Wulf darüber, wie schwierig es sein kann, sich von einer beruflichen Identität zu lösen, die über Jahrzehnte gewachsen ist.
„Wenn du so lange bei einem Unternehmen bist und dich so stark mit der Marke identifizierst, sehen dich alle – deine Kinder, deine Freunde – als Mr. Adidas. 26 Jahre stellst du nicht einfach weg. Das ist Teil des Lebens und wird es immer sein.“
Dass Führung für ihn mehr bedeutet als geschäftliche Entscheidungen, verdeutlichte Höld mit einer persönlichen Erfahrung: Als er bei Adidas zwei Monate Elternzeit nahm, sei ihm erst später bewusst geworden, welches Signal er damit an andere im Unternehmen gesendet hatte. „Ich habe es getan, weil es für mich und meine Familie wichtig war – und im Nachhinein festgestellt, dass es für andere auch wichtig ist.“
Deutliche Worte fand der PUMA-Chef auch für die Bedeutung persönlicher Begegnungen im Berufsleben. Mit einem Vergleich aus dem Sport stellte er die Frage, welche Auswirkungen überwiegendes Homeoffice auf Austausch und Karrierechancen haben kann: „Im Sport würdest du nie auf die Idee kommen zu sagen: Ich komme am Freitag zum Abschlusstraining, Montag bis Donnerstag bin ich im Homeoffice. Sport ist Austausch, Business ist Austausch. Wie willst du Karriere machen, wenn du niemanden kennenlernst?“

Tijen Onaran: „Das haben wir in Deutschland vergessen“
Unternehmerin Tijen Onaran setzte bei den New Perspective Days einen Kontrapunkt zur gegenwärtigen Stimmung in Deutschland. Während öffentliche Debatten häufig von wirtschaftlichen Sorgen, gesellschaftlichen Problemen und Zukunftsängsten geprägt sind, plädierte sie dafür, auch die Möglichkeiten des Landes wieder stärker wahrzunehmen.
„Wir sind momentan in einer Lethargie gefangen, die uns allen das Gefühl gibt, Deutschland sei das schlimmste Land auf Erden. Ich finde, es ist das schönste Land der Welt – weil ich die Möglichkeit hatte, meine Aufstiegsgeschichte zu schreiben. Das haben wir in Deutschland vergessen“, sagte Onaran.
Ihr eigener Lebensweg prägt diesen Blick. Die soziale Herkunft versteht sie nicht als etwas, das es zu überwinden gilt, sondern als persönliche Stärke.
„Ich finde, die soziale Herkunft ist die absolute Superpower. Menschen, die sich vieles selbst erarbeitet haben, haben einen ganz anderen Elan.“
Onaran verband damit ihre persönliche Aufstiegsgeschichte mit einer gesellschaftlichen Botschaft: Bei aller Kritik an bestehenden Problemen sollten die Chancen auf Aufstieg und Veränderung nicht aus dem Blick geraten.

Sabine Lisicki: „Erfolg misst sich nicht nur an Titeln“
250.000 Kilometer in einem Nissan Micra, abgesagte Turniere und ein Vater, der Geld für einen Flug nach Australien auftreiben musste: Der Weg von Sabine Lisicki an die Tennis-Weltspitze begann nicht mit perfekten Voraussetzungen, sondern mit einer Familie, die alles für ihren Traum möglich machte. Dabei schrieb sie Tennisgeschichte: 2014 stellte sie mit einem Aufschlag von 210,8 km/h einen bis heute offiziell anerkannten Weltrekord im Damentennis auf.
„Wir mussten Turniere absagen, weil wir es uns nicht leisten konnten, hinzufliegen. Wir sind mit einem Nissan Micra 250.000 Kilometer zu ganz vielen Turnieren gefahren“, erzählte die spätere Wimbledon-Finalistin bei den New Perspective Days.
Als Lisicki 2008 zu den Australian Open reisen wollte, war sie bereits die deutsche Nummer eins – doch das Geld für den Flug fehlte. Ihr Vater suchte vergeblich nach Unterstützung, bis sich schließlich jemand bereit erklärte, der Familie das Geld zu leihen. Lisicki schaffte die Qualifikation und besiegte bei dem Turnier die damalige Nummer 15 der Weltrangliste.
Auch später verlief ihre Karriere nicht geradlinig. Nach einer schweren Verletzung 2010 und dem Absturz auf Platz 230 der Weltrangliste wurde ihr Comeback öffentlich infrage gestellt. Lisicki erinnerte sich: „Die Medien und alle anderen haben gesagt: Warum macht sie sich überhaupt die Mühe, zurückzukommen? Keiner hat daran geglaubt. Es war mir herrlich egal, weil ich wusste: Ich komme zurück.“
Was Erfolg für sie heute bedeutet, macht die ehemalige Weltklassespielerin deshalb nicht allein an Ergebnissen fest: „Jeder sollte für sich entscheiden, was Erfolg ist. Mein Weg war deutlich länger, steiler und schwieriger als der von Spielerinnen, die einen Tennisplatz im Garten hatten. Und ich habe es trotzdem geschafft. Erfolg misst sich nicht nur an Titeln.“

David Degen: Gewinnen bedeutet mehr als ein Sieg
Im Profifußball entscheidet oft ein einziges Ergebnis über die öffentliche Wahrnehmung. David Degen kennt beide Seiten: als ehemaliger Fußballprofi und heute als Präsident des FC Basel. Bei den New Perspective Days sprach er darüber, wie sich sein Blick auf Erfolg verändert hat, seit er nicht mehr nur für seine eigene Leistung, sondern für einen ganzen Verein Verantwortung trägt.
„Im Fußball wirst du einen Tag gefeiert und am nächsten Tag infrage gestellt. Damit musst du umgehen können“, sagte Degen. Seine Haltung dazu brachte er auf eine einfache Formel: „Wenn wir gewinnen, gehört der Erfolg der Mannschaft. Wenn es nicht läuft, gehört die Verantwortung mir. So verstehe ich meine Rolle.“
Sein Ehrgeiz ist ungebrochen: Spiele zu gewinnen bleibt für David Degen das oberste sportliche Ziel. Doch als Präsident des FC Basel misst er Erfolg auch daran, was er für die Menschen im Verein bewirken kann. „Wenn ich morgens aufstehe, will ich gewinnen. Aber gewinnen heißt nicht nur, das Spiel zu gewinnen, sondern Menschen positiv mitzunehmen.“
Auch privat ist dieser Gedanke für Degen zentral. Seine Lebenspartnerin Vivien Wulf, Gastgeberin der New Perspective Days, bezog er ausdrücklich in seine Definition von Erfolg ein: „Ich glaube nicht an Einzelpersonen. Jeder Erfolg im Leben ist Teamwork, egal ob mit Dir, Vivien, meiner Partnerin, oder im Job.“

Béla Anda: Wenn nach dem Kanzleramt plötzlich das Telefon schweigt
Jahrelang gehörte Béla Anda als Regierungssprecher zum engsten Umfeld des Bundeskanzlers. Ständige Erreichbarkeit war für ihn selbstverständlich. Doch nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt erlebte er, wie schnell sich der Alltag verändern kann, wenn eine einflussreiche Position endet.
„Am Anfang konnte ich das gar nicht verstehen: Mein Telefon hat 24/7 geklingelt – und dann klingelt es überhaupt nicht mehr. Nach zwei Monaten habe ich gedacht, das ist kaputt“, erzählte Anda bei den New Perspective Days.
Der anschließende Wechsel in die Wirtschaft bedeutete auch, sich auf andere Spielregeln einzustellen. Statt auf etablierte Kontakte und die Aufmerksamkeit großer Medien zurückgreifen zu können, musste er selbst auf Menschen zugehen und neue Beziehungen aufbauen.
Rückblickend war ihm dabei vor allem eines wichtig: „Ich wollte, dass mein Leben nach vorne offen bleibt.“

Jens Corssen: „Ich will mehr als überleben“
Warum fällt es selbst erfolgreichen Menschen so schwer, zur Ruhe zu kommen? Psychologe und Mentalcoach Jens Corssen lieferte bei den New Perspective Days eine Erklärung, die weit über beruflichen Stress hinausgeht: „Das Gehirn weiß nicht, was Glück ist oder eine gute Ehe. Das Gehirn weiß nur eins: überleben.“
Gerade Führungskräfte geraten seiner Beobachtung nach häufig in einen Zustand permanenter Anspannung. „Viele Manager und Unternehmer sind nur im Überlebensmodus. Die können nicht mal mehr im Urlaub entspannen. Ich will mehr als überleben – ich will auch erleben“, sagte Corssen.
Seine Botschaft: Persönliche Veränderung beginnt nicht allein mit der Erkenntnis, dass etwas anders werden sollte. „Veränderung ist eine Funktion von Dringlichkeit und nicht von Einsicht.“ Erst wenn der Wunsch nach Veränderung groß genug wird, entsteht häufig die Bereitschaft, vertraute Muster tatsächlich zu durchbrechen. Damit lenkte Corssen den Blick auf eine entscheidende Frage: Was nützt beruflicher Erfolg, wenn die Fähigkeit verloren geht, das eigene Leben bewusst zu genießen?

Weitere Perspektiven bei den New Perspective Days:
Auch Dr. Jan Stritzke und Dr. Kristin Arp hinterfragten verbreitete Vorstellungen von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. „Nicht jeder muss Kälte machen, nicht jeder muss eine Handvoll Pillen nehmen. Jeder altert anders“, erklärte Kardiologe und Lanserhof-Gründungsdirektor Dr. Jan Stritzke und plädierte für individuelle Prävention statt pauschaler Selbstoptimierung.

Die Hamburger Zahnärztin Dr. Kristin Arp machte deutlich, dass Mundgesundheit weit über schöne Zähne hinausgeht. Sie sprach über die Zusammenhänge zwischen Zahnfleischentzündungen und der allgemeinen Gesundheit, über das Mundmikrobiom und häufige Fehler bei der Zahnpflege. Ihr überraschender Rat: „Wir Zahnärzte spülen Zahnpasta nicht aus. Wir spucken nur aus.“ Auch die Bedeutung des Speichels werde häufig unterschätzt. Arp brachte es auf den Punkt: „Spucke ist Gold.“

Bastienne Früh, Geschäftsführerin von Podstars by OMR, sprach über die Bedeutung persönlicher Beziehungen in der Medienwelt und die besondere Nähe, die Podcasts zu ihrem Publikum schaffen. „Podcasts sind das einzige Medium unserer Zeit, in dem Beziehung wirklich funktioniert. Menschen folgen Menschen.“ Auch beim Thema Führung und Diversität plädierte sie für neue Perspektiven: „Es ist völlig in Ordnung, anders zu sein und zwanzig Jahre weniger Erfahrung mitzubringen. Genau diese Perspektive fehlt einem Management Board, wenn es um Diversität geht.“

Unterstützt wurden die New Perspective Days 2026 von Dyson, Schwarzkopf Professional, Avea, Hanro, ByNacht und Gisada.

Über die New Perspective Days:
Die von Vivien Wulf initiierten New Perspective Days sind ein kuratierter Denkraum für Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten. Im Mittelpunkt stehen ehrliche Gespräche, persönliche Wendepunkte und neue Perspektiven – fernab klassischer Konferenz- und Netzwerkformate.

Datum: 22. Oktober 2026

www.newperspectivedays.com

'New Perspective Days' 2026 auf Sylt, David Degen, Vivien Wulf, Foto: Andreas Rentz / Getty Images

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