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Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt die hervorragende Ausstellung „Anja Niedringhaus - an forderster Front“. Zu sehen sind 250 Fotos und persönliche Gegenstände der Fotografin. Anja Niedringhaus gilt als einer der bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands. Ihre Karriere begann jung beim Göttinger Tageblatt. Mit 17 Jahren fuhr sie ohne Führerschein zum einem Pressetermin, wollte zeigen, was sie kann. Hinaus in die große und weite Welt wollte sie. Sie zog es in den Balkankrieg, auch nach Sarajevo. Scharfschützen auf den Dächern sahen sogar ihre Kameramarke in ihren Suchern, hätten nur abdrücken müssen, wie sie einmal berichtete. Sie sah viele Tote und ihre trauernden Angehörigen. Trotzdem ging sie, immer mit einer gewissen Vorsicht, Blauhelm und Schutzweste, mutig voran. Wenn sie es nicht zeigt, wird es ja nicht gesehen, so ihr unaufhörliches Motto. Verletzungen bleiben aber nicht aus. Der Kontrast zum beruflichen Geschehen war ein Gutshaus in Höxter, wo sie mit ihrer Schwester wohnte. Auch diese Eindrücke präsentiert die Ausstellung. 2014 wurde sie während der Wahlkampfberichterstattung in ländlichen Gegenden in Afghanistan im Auto erschossen, von Polizisten, die sie eigentlich schützen sollten. Ihr Plan war es eines Tages auszusteigen. Heute ist sie eine Legende der Kriegsberichterstattung. Sie war ein großartiger Mensch. Sie selbst bezeichnete sich nie als Kriegsfotografin, schuf aber eindrucksvolle Eindrücke aus Kriegsgebieten, oft ikonische Fotos mit tollen Kompositionen, meistens die Mitte betont. Sie arbeitete nie effekthaschend, auf den größten kommerziellen Erfolg ausgerichtet. Keine massenhaften Serienaufnahmen, sondern der eine wichtige Moment, den man erahnen musste. Sie hatte eine feine Nase dafür. Anja Niedringhaus fand menschliche Züge, selbst bei Soldaten und Bewohnern. Das spielende Kind wird während einer Feuerpause erschossen, die Familie kann es kaum glauben. Der verletzte US-Soldat liegt im Hubschrauber und kämpft um sein Leben. Es sind diese berührenden Momente, die den Krieg für uns begreifbar machen, ohne dass wir den wahren Krieg hoffentlich jemals fühlen werden. Die Ausstellung zeigt so viele spannende und berührende Eindrücke vom Balkan, aus Afghanistan, Libyen, Gaza und aus dem Irak. Stets stellt sie Menschen in den Mittelpunkt, mit und ohne Uniform. Teilweise besuchte sie die Abgebildeten später noch einmal zuhause, auch in den USA. Wie haben sie ihre Kriegserlebnisse verarbeitet? Die Geschichten hinter den Fotos sind oft wirklich spannend. Man hat sie in der Ausstellung nachlesbar neben die Fotos gehängt. Natürlich hängt auch ihr berühmtestes Foto von George Bush mit einen Plastik-Truthahn beim Truppenbesuch 2003 in Bagdad in Oberhausen. Anja Niedringhaus hatte nicht alle Akkreditierungen, um vor der Bühne die Rede zu fotografieren. So hielt sie sich etwas dahinter auf. Als Bush sich zum Tablett mit dem künstliche Truthahn bewegte, war sie die einzige Berichterstatterin mit diesem Motiv, welches um die Welt ging. Neben den Kriegsfotos findet man auch persönliche Gegenstände, z.B. ihre Schutzweste, Mitbringsel, Notizbücher, Akkreditierungen, Ausweise und sogar ihren Pulitzer Preis, den sie 2005 gewann. Weniger bekannt sind ihre ebenfalls eindrucksvollen Sportfotos von Olympischen Spielen, Fußball-Großereignissen oder in Wimbledon. Steffi Graf, Usain Bolt, Rafael Nadal, Serena Williams oder Roger Federer sind nur einige prominente Namen, neben weniger bekannten Momenten, die aber sehr berührend wirken. Es gibt ein tolles Rahmenprogramm, sowie einen wunderbaren Ausstellungskatalog im Eigenverlag (30,- Euro, ISBN 9783932236556), der aktuell einzige erschwingliche zu ihrer Person auf dem Markt. Laufzeit: 10. Mai bis 13. September 2026 www.ludwiggalerie.de |
Ausstellung 'Anja Niedringhaus - an vorderster Front' in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Foto: Jehle![]() nächstes Foto |
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